Ende der Wanderung

Ich wollte eigentlich wieder mit dem Zug zurück nach Riva fahren und dann weiterwandern, aber der Wetterbericht ist nicht gut. Nächste Woche regnet es mehr oder weniger jeden Tag und dazu ist es auch noch kalt.

Ich habe jetzt entschieden, für dieses Jahr aufzuhören und mit dem Auto nach Cupramontana zu fahren. Es ist zwar schade, aber das ist mir zu ungemütlich. Wenn es nass und kalt ist, kann ich keine vernünftigen Pausen machen.

Ausserdem werden die Tage einfach zu kurz.

Hier noch ein paar Zahlen:

ETAPPEN Dauer Distanz Aufstieg Abstieg
Arosa Wiesen 5h25 14.1km 910m 1170m
Wiesen Filisur 2h50 9.5km 110m 560m
Filisur Preda 5h20 15.3km 880m 150m
Preda Spinas 5h00 12.7km 720m 660m
Spinas Pontresina 3h40 13.8km 150m 120m
Pontresina Bernina Hospiz 4h45 17.0km 440m 40m
Bernina Hospiz Poschiavo 4h45 15.1km 30m 1280m
Poschiavo Campascio 5h45 19.9km 260m 840m
Campascio Tirano 1h45 6.1km 40m 240m
Tirano Cortenedolo 8h20 23.9km 1490m 1050m
Cortenedolo Edolo 2h00 6.5km 150m 350m
Edolo Berzo-Demo 4h00 14.1km 360m 300m
Berzo-Demo Malga Lincino 5h45 17.7km 1120m 290m
Malga Lincino Diga Malga Bissina 4h40 9.65km 990m 820m
Diga Malga Bissina Vermongoi 4h10 14.6km 30m 860m
Vermongoi Praso 5h40 16.8km 780m 940m
Praso Breguzzo 2h40 9.0km 280m 250m
Breguzzo Lenzumo 6h30 18.0km 1110m 1110m
Lenzumo Riva del Garda 7h25 19.1km 890m 1610m
Total 88h40 266.9km 10700m 12400m

 

 

Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

 

 

30. Okt. 2019 Heimreise

Da mein Bus erst um 13.30 fährt, gehe ich noch ins Museum. Es beinhaltet eine Bildergalerie, eine archäologische Abteilung, je eine kleine Ausstellung zu den beiden Weltkriegen und eine Wechselausstellung. Die aktuelle ist über die Geschichte des Sportes in Riva, die natürlich sehr stark vom Segelsport geprägt ist. Hier gibt es oft starke Winde, weshalb schon die Römer am Gardasee eine Nautikschule unterhielten.

Die Ausstellungen sind gut und abwechslungsreich gestaltet. Es gefällt mir und ich bleibe länger als beabsichtigt. Ich steige auch noch auf den Turm, um den Blick über die Stadt zu geniessen. Am Ende muss ich mich beeilen, dass ich den Bus erwische.

Der Monte Baldo hat sich, wie schon gestern, in Wolken gehüllt, aber das, was ich davon sehe, macht mir Eindruck, steil und felsig, das mache ich nur, wenn meine Füsse und ich fit sind 😉

Die kleinen Städtchen und Dörfer, drängen sich zwischen dem steilen Berghang und dem See. So viel ich sehen kann, sind die alten Dorfkerne sehr schön und es reizt mich, hier einmal Ferien zu machen.

Nach Garda allerdings, wo ich umsteigen muss, gefällt es mir nicht mehr. Da wird es flacher und alles zerfleddert. Die Orte breiten sich unkontrolliert aus, es gibt Vergnügungsparks und die ganze Tourismusgeschichte wirkt sich sehr negativ aus. Jetzt sind die meisten Häuser geschlossen und es herrscht diese Stimmung von ausgestorbenen feriemdörfern.

In Peschiera habe ich etwa anderthalb Stunden Aufenthalt und will noch ein paar Früchte kaufen. Ich frage eine Frau nach einem Geschäft. Sie zeigt mir eines und sagt, da gebe es auch deutsche Sachen, ich sei doch sicher Deutsche? Als ich antworte, ich sei aus der Schweiz, sagt sie: Was, aus der Schweiz! Dort ist es so schön mit all den Bergen, was ich denn hier, an diesem hässlichen Ort mache…..

Na ja, ich bin ja zum Glück nur auf der Durchreise. Bald fährt mein Zug.

Ich melde mich in ein paar Tagen zurück, wenn ich weiss, wie ich weitermache 🙂

29. Okt. 2019 Riva del Garda

Heute ist es grau und die Berge verhangen. Ich hatte vor, eine Schifffahrt zu machen, damit meine Füsse auch wirklich eine Pause haben, aber erstens ist es nicht das richtige Wetter dafür und zweitens muss ich nach Winterthur fahren, das heisst als erstes muss ich herausfinden, wie ich von Riva am besten dahin komme.

 

Ich spaziere zur zentralen Busstation und es ist wie immer. Der Mann am Schalter ist nur zuständig für Busbillette, also hat er keine Ahnung von nichts. Es gibt jedoch ein Reisebüro im gleichen Haus.

Ich muss mit dem Bus entweder nach Brescia oder Peschiera, in beide Richtungen muss ich noch einmal den Bus wechseln, dann den Zug nach Mailand und von da nach Zürich nehmen. Einmal am Tag gibt es sogar einen direkten Zug. In Mailand nicht umsteigen zu müssen, ist Gold wert, deshalb entscheide ich mich dafür, auch wenn ich erst kurz vor 22 Uhr in Zürich ankomme.

Auch wenn ich schnellstmöglich wieder hierher komme, bin ich zu spät für den Monte Baldo. Der Aufstieg dauert etwa 6 Stunden und man überwindet ca 1700 Höhenmeter, die Tage sind schon zu kurz um zu Fuss wieder hinunter zu gehen und es wäre mir auch zu viel. Schlafen kann man da oben nicht, das heisst, ich würde mit der Seilbahn wieder hinunterfahren, da übernachten und am nächsten morgen wieder hinauffahren, um weiterzumachen. Leider macht nun die Seilbahn dicht für den Winter und am Wochenende soll das Wetter sowieso schlecht sein, Wolken und Regen. Ich muss nicht da hochwandern, nur um es gemacht zu haben, wenn schon, möchte ich auch etwas von der grandiosen Aussicht haben.

Eine Sehne oberhalb des linken Knöchels ist geschwollen, ich merke es sogar beim Spazieren, deshalb brauche ich sowieso eine Pause. Ich denke, es geht schnell vorbei, wenn ich vorsichtig bin.

Ich werde meine Wehwehchen und das Wetter beobachten und dann entscheiden, wie ich weitermache. Es gibt mehrere Möglichkeiten:
1. Ich ändere die Route beim Monte Baldo und ziehe es bis Cupra durch. Ich vermute, dass ich dann kurz vor Weihnachten dort sein würde, ist mir eigentlich zu spät.
2. Ich wandere noch bis Padua und nehme dann den Zug. Die Poebene reizt mich sowieso nicht so.
3. Ich nehme gleich das Auto und fahre nach Cupra. Der Vorteil: ich bin länger dort und habe ein Auto zur Verfügung.

Noch ein schönes Elektrizitätswerk

Riva ist ein wirklich schönes Städtchen, natürlich sehr touristisch, aber immer noch erträglich. Es gibt viiiiele Bars, Restaurants und Geschäfte und der Vorteil ist, dass es überhaupt kein Problem war, eine Unterkunft zu finden. Im Sommer ist es sicher richtig voll, es gibt jedoch keine so richtig geschmacklosen Geschäfte. Es gefällt mir. Es hat auch richtig südliches Flair mit Palmen und Olivenbäumen, kulturell und gastronomisch spürt man aber doch auch den tiroler Einfluss.

Nach dem Mittag gehe ich ins Hotel zurück und ruhe mich aus, ich kann es brauchen. Am Abend esse ich draussen. Überall sitzen die Leute draussen, obwohl die Temperaturen grenzwertig sind. Allerdings haben viele Restaurants diese Gaspilze draussen zum heizen. Es ist schön, draussen zu sitzen, aber eigentlich verrückt…

28. Okt. 2019 Lenzumo – Riva del Garda

Heute ist trübes Wetter und meine Füsse könnten eigentlich eine Pause vertragen, aber ich möchte gerne noch bis Riva, denn morgen soll es regnen. Dann kann ich mir Riva ein bisschen anschauen.
Ausserdem muss ich wahrscheinlich nochmals kurz nach Hause und das ist auch von Riva aus noch kompliziert genug….

Zuerst muss ich wieder 2km zurück auf meine Route, das heisst die ohnehin schon 7-stündige Tour wird noch eine halbe Stunde länger. Soviel zur Pause meiner Füsse 😉 ich werde sie vertrösten müssen.

Zurück auf der Route, wandere ich in ein Seitental hinein und dann geht’s steil bergauf, alles im Wald. Ab und zu gibt es hohe Tritte, weil die Erde unterhalb der Baumwurzeln ausgewaschen ist, manchmal mehr als Kniehoch.

Es gibt nicht soviel zu sehen heute, die Bäume geben die Sicht nicht frei und auch am Boden gibt es nicnt viel Interessantes. Es hat kaum Unterholz, nur eine dicke Laubschicht. Ich brauche drei Stunden bis zum Pass Bocca di Trat und ich schwitze wie verrückt, es ist steil, die Luftfeuchtigkeit hoch und ich bin in einem engen Taleinschnitt, wo sich kein Lüftchen regt. Die Fussgelenke tun mir ein bisschen weh, morgen ist definitiv eine Pause angesagt!

Erst oben auf dem Pass gibt es freie Sicht, aber es ist windig hier und ich bin nassgeschwitzt, drum bleibe ich nicht lange. Meine kleine Pause verschiebe ich und tauche auf der anderen Seite gleich wieder in den Wald ein.

Es geht steil und steinig hinunter. Manchmal bin ich nicht sicher, ob einfach die Gegend so steinig ist, oder ob das alte gepflasterte Wege waren, denen Wind und Wetter zugesetzt haben. Alles ist voller loser Steine in allen Grössen.

So geht es lange hinunter bis zu einer grossen Lichtung, die auf einer Geländeterasse liegt. Von da aus folgt meine Route der Strasse, während der markierte Wanderweg in einem Taleinschnitt hinunter geht. Ich entscheide mich, dem markierten Wanderweg zu folgen, der leider immer noch steil und steinig ist. Das Strässchen wäre einfacher gewesen und, was ich erst kapiert habe, als ich schon fast in Campi unten war, es hat einen Grund, dass ich die Route auf der Strasse geplant habe. Man kommt da nämlich an einer archäologischen Ausgrabungsstätte vorbei.

Also gehe ich nun wieder ein Stück aufwärts und mache so einen Umweg, statt eine Abkürzung und noch ein paar Höhenmeter dazu (und natürlich nicht nur aufwärts….)
Der Ausgrabungsort Monte San Martino liegt auf einer Geländenase mit schöner Aussicht auf die Rivaebene und ins Albolatal.Man vermutet, dass dieser Ort im späten Eisenzeitalter eine rituelle Stätte war. Die Römer bauten dann da ein grosses Heiligtum, das hier vom 1. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus bestand.
Vom 4. – 6.Jahrhundert war es wahrscheinlich eine milItärische Anlage und viel später wurde dann auch mal noch eine Kirche gebaut, die bis etwa 1750 erwähnt ist.

Ein interessanter und etwas mystischer Ort an strategisch wichtiger Lage, finden sich hier doch wichtige alte Routen, Nord – Süd und Ost – West.

Nachher wandere ich nach Campi hinunter und dann geht es eine Weile am Hang ohne wesentliche Steigungen auf einer alten Strasse Richtung Südosten.Dann folgt eine lange, stehr steile betonierte Strasse hinunter Richtung Riva. Ab und zu erhascht man einen Blick auf die Stadt und die Ebene oder den See. Am Ende mache ich noch einen kleinen Abstecher zur Bastion, von wo man einen wunderschönen Blick auf die Dächer der Altstadt und den See hat. Zum Glück ist es von hier aus nicht mehr so steil.

 

 

Das hat jetzt wirklich gereicht heute. Ich bin fast 1700m hinuntergelaufen! Hinauf macht mir nichts, wenn man ausser Puste kommt, geht man einfach langsamer, aber hinunter ist der Killer, vor allem mit diesen Geröllwegen, aber auch diese betonierten Strassen sind schlimm und die Belastung für Füsse und Beine gross.

Es ist schon ein bisschen dämmerig bei der Ankunft in Riva. Es ist ja wieder Winterzeit, früh dunkel und ich muss früher aufstehen 😉

27. Okt. 2019 Breguzzo – Lenzumo

Heute wandere ich etwa drei Stunden bis zum Pass Bocca dell’Ussol hinauf. Zuerst geht’s auf einer kleinen asphaltierten Strasse durch den Wald, später wird das Gelände offener mit vielen Lichtungen bis zur Alp Gavardina. Es ist ein schöner Aufstieg.

Obwohl ich gestern, trotz kurzer Wanderung, sehr müde gewesen und beim Nachtessen fast eingeschlafen und wieder früh erwacht bin, fühle ich mich richtig gut. Der Rucksack fühlt sich leichter an und ich gehe locker und leicht den Berg hinauf. Es ist enorm, wieviel die Tagesform ausmacht.

Nach der Alp ist es nur noch ein Wiesenweg und geht im Zickzack aufwärts zum Pass. Am Ende ist es steil und hat hohe Tritte. Schnaufend komme ich oben an. Die Aussicht ist grandios. Hinten sieht man ein paar Schneegipfel und vorne verlieren sich die Bergketten im blauen Dunst.

Man sieht bis ins Tal hinunter nach Lenzumo

Nun geht’s zuerst steil runter und zwar auf rutschigem Geröll. Das, was ich am allerwenigsten mag. Bei jedem Schritt rutsche ich ein wenig und komme nur langsam vorwärts. Nachher wird es zum Glück besser und ich komme in den Wald. Bei einer Verzweigung finde ich einen schönen Platz für meine Mittagspause. Heute begegnen mir Ausnahmsweise immer mal wieder Leute oder wir überholen uns gegenseitig. Es ist Sonntag, das merkt man.

Eine Apfelbirne oder ein Birnapfel? Haut und Fruchtfleisch von einer Birne, Form eines Apfels und der Geschmack die perfekte Mischung.

Nach dem Mittag führt der Weg durch den Wald zu einer Alp hinunter, nicht mehr so steil und steinig, sondern angenehm weich. Da liegen, mitten auf dem Wanderweg, zwei Schönheiten im Bikini, vermutlich Mutter und Tochter. Ich sehe schon, ich kann noch dazulernen. Ins Wandergepäck gehört ein Bikini!

Nachher wird der Weg wieder richtig steil und er ist voller Steine und Geröll. Ricntig mühsam zum Laufen. Ganz schlimm ist es dort, wo viel Laub liegt, denn da weiss man nie, was sich darunter verbirgt. Dafür tanzt ein wilder Bach neben dem Weg, einfach schön!

Schliesslich komme ich zum Rifugio Al Faggio, wo ich eigentlich übernachten wollte. Die signora hat mir gesagt, es sei geschlossen heute. Im Moment ist es allerdings offen und voller Leute. Auch auf dem Parkplatz stehen viele Autos.

Da ich auch in Pastoria nichts gefunden habe, muss ich bis Lenzumo, wo ich in einem Ökohotel bin. Es ist rel. teuer, dafür alles öko und es gibt Sauna und türkisches Dampfbad. Das gönne ich mir. Morgen geht’s 7 Stunden bis nach Riva del Garda.

26. Okt. 2019 Praso – Breguzzo

Gestern Abend hat Fernando seine Frau vom Bahnhof Brescia abgeholt und ich lerne sie heute kennen. Eine ganz süsse, liebe Frau. Beim Abschied gibt sie mir noch Früchte mit. Die muss ich zwar mitschleppen, aber so gute und frische Früchte werde ich lange nicht mehr bekommen.

Praktisch alle Früchte und Gemüse, die Federico mir vorgesetzt hat, sind frisch aus seinem Garten. BIO, wie er betont. Das, was es in Geschäften unter Bio zu kaufen gebe, sei nicht bio, denn es werde zwar nicht gespritzt, dafür mischten sie irgendwelches Zeug unter die Erde. Er wisse das von Bekannten, die für den Biomarkt anbauen. Das sei ein Bschiss.

Federico hat eine Nachricht bekommen, dass die Strasse zum grossen Stausee hinauf geschlossen sei wegen eines Felssturzes. Vorgestern bin ich da noch gewandert und Federico ist durchgefahren! Zum Glück kam das ganze Zeug in der Nacht runter, denn heute ist Samstag, da wollen sicher einige Leute hinauffahren zum Wandern.

Nun bringt mich Federico nach Praso, wo wir uns verabschieden. Danke, Federico, für die guten Gespräche, das ausgezeichnete Essen und für die Fahrerei!

Noch ein Engel. Danke Federico!

Heute ist nur eine kurze Wanderung angesagt, eigentlich bis Bondo, aber weil es da nichts zum Übernachten gibt, gehe ich ein bisschen weiter nach Breguzzo. Das ist sowieso besser, denn die Route von morgen führt hier in der Nähe durch, sodass die morgige Wanderung leicht kürzer wird. Das kann nicht schaden, denn sie soll gut 6 Stunden dauern und führt wieder über einen Pass.

In meinem Büchlein steht, da die heutige Wanderung ja nur kurz sei, habe man dafür Zeit, auf dem Weg ein paar Sachen anzuschauen: eine Festung, Kirchen und einen österreichischen Friedhof aus dem grossen Krieg (1. Weltkrieg)

Die Festung streiche ich gleich aus dem Programm, denn ich sehe unterwegs einen Anschlag mit den Öffnungszeiten: Juli und August und im Sept die ersten beiden Wochenenden. Wie so oft in Italien sind die Sehenswürdigkeiten nur während der Ferienzeit der Italiener geöffnet, was natürlich ein Witz ist, denn jeder Tourist, der es richten kann, geht eben genau nicht in den Schulferien irgendwohin. Ich hatte erwartet, dass es hier im Norden nicht so sein würde, mit den Österreichern und Schweizern als Nachbarn, da ja gerade die Schweizer Ende September und im Oktober Ferien haben.

Ich glaube der Tourismus in Italien könnte einen gewaltigen Schub bekommen, wenn alles mindestens das ganze Sommerhalbjahr geöffnet wäre. Ich war mal Ende Mai/Anfang Juni in den Sibillini und Ascoli Picena unterwegs und hatte gedacht, da sei es ein Leichtes, Schlafmöglichkeiten zu finden, da noch nicht Hochsaison sei. Weit gefehlt, es war extrem schwierig, da alles geschlossen war! Wenn man immer zu hat, muss man zwar nicht viel arbeiten, aber man verdient halt auch nichts….

Mit den Kirchen klappt’s auch nur zum Teil, da die einen auch geschlossen sind, etwas, was ich mir von Italien nicht gewöhnt bin.

Der Weg ist einfach, aber was jetzt wieder dazukommt ist der Verkehrslärm. Im Daonetal war’s sooo ruhig und hier dringt der endlose Lärm hinauf in die Höhe, wo ich laufe.

Später geht es ins Tal hinunter und ich laufe lange einer Mauer entlang, wo sich viele Eidechsen sonnen. Ständig raschelt es neben mir, wenn sie im Laub oder in Mauerritzen verschwinden.

Auf der anderen Talseite führt der Weg an einem See entlang, bis ich dann Ende Bondo zu dem österreichischen Militärfriedhof komme. Er fällt grad auf, ist ein bisschen pompös, aber es berührt halt schon, wenn man bedenkt, wieviele Menschen in diesem sinnlosen Krieg gelitten haben und gestorben sind. Immer reden wir davon, dass wir aus der Geschichte lernen, aber immer noch wiederholt sich alles, wieder und wieder…

Dann wandere ich Richtung Breguzzo und weil ich nicht an der Hauptstrasse laufen will, mache ich einen kleinen Umweg. Und das ist die Überraschung des Tages: ich komme durch eine kleine, wunderschöne Schlucht mit einem rauschenden Bach und Brücken und Stegen!

25. Okt. 2019 Vermongoi – Praso

Federico bringt mich nach Vermongoi, zum heutigen Startpunkt. Ich gehe einen Weg hinauf, der Strada forestale Splagion heisst. Meine Navigationstante spricht die Strassennamen immer so lustig aus, deutsche Aussprache und Betonung. Heute heisst das Schtradale foreschtale Schplagion, genau so, wie ich es geschrieben habe….

Beim Fotografieren nerven immer die vielen Stromleitungen. Die sind eigentlich immer im Weg. Hier in Norditalien gibt es unzählige Stauseen (wenn sie nicht voll sind, ist das nicht immer so schön) und dazu gehören dann natürlich auch die Stromleitungen in jedem Tal. Immerhin haben die Italiener keine AKWs, das finde ich grossartig! Ich bin ja auch froh um den Pfuus, denn ich lade ja täglich meine Geräte, da habe ich wohl nichts zu meckern.

Wenn wir schon bei den Geräten sind, ich konnte zwei Tage lang nicht auf meine Website. Es gibt immer wieder mal ein Problem, da wäre ich aufgeschmissen ohne Support. Ich schreibe eine Mail an Roger, schildere mein Problem und er richtet’s. Ohne seine Unterstützung im Hintergrund, könnte ich meinen Blog vergessen. Vielen Dank, Roger!

Am Wegrand plätschert ein Bach und etwas weiter oben komme ich über eine Brücke. Das ist immer die Gelegenheit, das Wasser auf seiner Reise zu beobachten und mich daran zu freuen. Bergbäche sind mit das schönste, was es gibt. Ich liiiebe sie. Ich könnte mich hinsetzen und stundenlang zusehen und mein Tag wäre erfüllt! Das Valdaone ist diesbezüglich ein Paradies. Es gibt so extrem viele Bäche und Wasserfälle.

Die Morgenstimmung ist wunderschön. Nach einem Regentag scheint die Sonne und die Luft ist frisch.

Der Weg ist steil und wie üblich mit runden Steinen gepflastert, darüber liegt nasses Laub, also eine ziemlich glitschige Sache. Weiter oben ist es nicht mehr so nass.

Plötzlich bewegt sich etwas  vor mir im Laub. Bei genauem Hinsehen erkenne ich einen Feuersalamander. Er ist super getarnt in dieser Umgebung. Hätte er sich nicht bewegt im Bemühen, sich unter dem Laub zu verbuddeln, hätte ich ihn vielleicht übersehen. Ich nehme die Blätter weg, um ihn anzuschauen und zu fotografieren und lasse ihn dann in Frieden.

Als ich von Edolo nach Berzo-Demo gewandert bin, habe ich viele Feuersalamander gesehen, nur waren sie leider alle platt gefahren. Eigentlich wollte ich da schon darüber schreiben, habe es aber offenbar erfolgreich verdrängt. Es ist schöner, über einen lebenden Salamander zu schreiben als über die überfahrenen.

Nun bin ich schon hoch über dem Talboden. Ich staune immer wieder, wie schnell das geht. Manchmal ist es schon eine Herausforderung, so viele Höhenmeter zu überwinden.
Bei mir liegt die Motivation zu diesen Fernwanderungen eher im Unterwegssein, trotzdem ist der Reiz grösser, wenn man auch Schwierigkeiten überwindet oder körperlich ein bisschen an die Grenze geht. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man mal so eben 1000 Höhenmeter erklommen hat. Ich suche nicht das Extreme, dazu bin ich zu bequem, aber ich kann mir gut vorstellen, was für ein tolles Gefühl es sein muss, auf einem 8000er zu stehen nach all den Entbehrungen…

Heute bleibe ich oft stehen – um die Aussicht zu bewundern oder kleine Dinge zu bestaunen. Der Vorteil, wenn es sehr steil ist, ist der, dass man die Kleinigkeiten direkt vor der Nase hat und sie fast nicht übersehen kann. Wenn ich dann mal oben auf der Waldstrasse wandere, schweift der Blick wieder eher in die Ferne.

Das Laub am Boden wird zusehends trockener und raschelt laut, wenn ich mit meinen Füssen hindurchschlurfe. Das erinnert mich daran, dass ich das als Kind geliebt habe, je mehr Laub, desto besser. Das tollste war, einen grossen Haufen zusammenzurechen und dann mit Anlauf hineinzuspringen 🙂

Heute ist meine Navigationstante ein bisschen verwirrt. Einmal sagt sie: “noch 70m auf diesem Weg” und im nächsten Moment: “bei nächster Möglichkeit umkehren”.
Ja was jetzt? Ich konsultiere die Karte und sehe, dass ich scharf rechts abbiegen muss und nicht umkehren. Der Pfeil oberhalb der Karte zeigt aber nach links! Da stimmt ja überhaupt nichts zusammen!

Ich bin bloss froh, dass ich diese Wanderungen machen kann. Wenn ich auch älter und langsamer werde, schmälert das die Freude nicht. Es ist so schön, in der Natur unterwegs zu sein und diese Stille und Kraft zu spüren.
Manchmal tut mir zwar schon mal etwas weh, aber nie ernsthaft. Ausserdem kann ich mir selber eine Energiebehandlung machen. Es ist zwar nicht ganz das  Gleiche, wenn man’s selber machen muss, aber immerhin, ich kann etwas tun. Zudem bekomme ich ja täglich eine mehrstündige Energiebehandlung direkt von Mutter Natur. Im Notfall, habe ich noch ein paar Trümpfe im Ärmel…

Ich wandere nun alles hoch über dem Tal, geniesse die schöne Aussicht, die Stille und die Farben. Erst am Ende geht es in grossen Serpentinen hinunter und ich bin viel früher in Praso, als ich gedacht habe.

24. Okt. 2019 Diga Malga Bissina – Vermongoi

Federico fährt mich zum oberen Stausee hinauf, von wo ich gestern mit zwei Frauen hinunterfahren konnte. Nun kann ich meine Wanderung fortsetzen, ohne etwas auszulassen. Es hätte zwar da oben ein Restaurant, das auch Zimmer vermietet, es ist aber schon zu. Überhaupt hat alles im Tal schon geschlossen. Anfangs Oktober machen die alle die Luken dicht. Federico vermietet seit letztem Mai und hat vor, das ganze Jahr offen zu sein. Macht ja auch Sinn, wenn er sowieso da ist. Wenn niemand kommt, kommt eben niemand und sonst haben er und seine Frau ein bisschen Gesellschaft. Da die andern alle zumachen, kommen alle zu ihnen 🙂

Villa Plaz und mein Frühstück 🙂

Es ist auch absolut paradiesisch hier, das Tal, der Fluss Chiese! Das Frühstück ist das beste, das ich je in Italien gekriegt habe, ausserdem kocht Federico auch ein wunderbares Abendessen für mich, denn zu Fuss habe ich keine Chance innert nützlicher Frist ein Restaurant zu erreichen.

Meine heutige Wanderung verläuft mehr oder weniger auf der Strasse, mangels Alternative. Das ist insofern nicht schlimm, als der Verkehr quasi bei Null ist. Das Mühsame ist halt, dass ich zu viel auf Asphalt laufe, was meine Füsse nicht mögen.

Das Tal ist jedoch wunderschön, obwohl das Wetter nicht so gut ist. Die Herbstfarben lassen alles leuchten, selbst im Regen. Der Fluss ist wunderbar wild und laut, das Wasser rauscht über die vielen Felsbrocken.

Nach einer Weile versuche ich, die Serpentinen abzuschneiden, weil ich einen Pfad finde, der sicher zu einem Wasserfall führt, wenn ich Glück habe sogar in die kleine Ebene weiter unten. Ich habe Glück.

Hier ist es wie in einem Park, der Fluss windet sich durch die Ebene, am Ende liegt ein kleiner See, die Bäume stehen einzeln oder in kleinen Gruppen, alles leuchtet, es regnet und gleichzeitig scheint die Sonne. Es ist richtig lieblich.

Ich setze mich auf einen Baumstrunk und mache eine lange Pause, geniesse einfach die Szenerie, die Farben und die Geräusche…

Es ist ja witzig: Im ganzen Tal stehen Tafeln, mit der Warnung, dass es gefährlich sei, sich in der Nähe des Flussbettes aufzuhalten, weil eine Flutwelle kommen könnte, wenn eine Schleuse geöffnet wird. Auch am oberen und unteren Ende der Ebene gibt es solche Tafeln. In der Ebene stehen jedoch Bänklein und es gibt sogar einen gut ausgebauten rollstuhlgängigen Weg. Natürlich könnte sich hier das Wasser ausbreiten, aber ich stelle mir vor, dass es trotzdem noch ziemlich gefährlich wäre.

Weiter unten komme ich zum Lago di Malga Boazzo. Auch ein schöner See, obwohl ein Stausee. Er ist fast voll und die Bäume spiegeln sich im Wasser. Auf der anderen Seeseite, donnert ein Wasserfall über die Felsen. Im ganzen Tal kommen von beiden Seiten Bäche und Wasserfälle im Überfluss. Es hat natürlich auch ziemlich geregnet in letzter Zeit.

Nach dem See kann ich endlich weg von der Strasse auf einen Feldweg. Nun wandere ich ziemlich nahe am Fluss. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen.

Bei Pracul spannt sich eine kleine Holzbrücke oberhalb eines Wasserfalles über den Fluss. Es reizt mich, da hinüber zu gehen. Auf der anderen Seite esse ich Zmittag. Nachher beschliesse ich, nicht mehr zurück auf die andere Seite zu gehen, sondern hier einen kleinen Umweg zu laufen. Es geht, heute zum ersten Mal, in die Höhe, vorbei an Schützengräben des 1. Weltkrieges. In dieser Gegend verlief die Grenze zwischen Italien und Österreich-Ungarn, weshalb dieses Gebiet hart umkämpft war.

Pünktlich laut Wetterprognose setzt wieder Regen ein, ein schöner Abschluss der Wanderung 😉

Mir ist aufgefallen, dass es hier viele Namen von Häusern gibt, die irgendwie einen spanischen Klang haben. Laut Federico gab es wirklich einmal spanische Feudalherren auf einer der Burgen hier.

Beim Nachtessen fragt er mich, wo ich morgen übernachten wolle. Tja, wenn möglich in Praso, meinem morgigen Ziel. Da gibt es aber nichts und Federico meint, ich solle nochmals hier schlafen. Das bedingt allerdings, dass er mich morgen Abend in Praso abholt und am Samstag wieder hinbringt.

Eigentlich entspricht das ja nicht ganz meiner Vorstellung von Fernwandern. Es gefällt mIr, immer weiterzuziehen, aber hier bleibt mir gar nichts anderes übrig, weil alles geschlossen ist. Es hat immerhin den Vorteil, dass ich zwischendurch mit leichtem Gepäck wandern kann. Meine Füsse mögen das 🙂

 

Im Hinblick auf die Unterkünfte bin ich zu spät dran, September wäre besser. Von der wundervollen,

herbstlichen Stimmung her, ist es aber perfekt!

Unterhalb der Villa La Plaz

23. Okt. 2019 Malga Lincino – Diga Malga Bissina

Walter bringt mich wieder zum heutigen Startpunkt. Ich habe ein bisschen den Bammel, wie die Route wohl sein wird. Auf der Webseite der Hütte habe ich gelesen, dass der Weg, den ich zur Hütte hinaufsteige, ein Wanderweg sei, wenn man jedoch von der anderen Seite komme, sei das ein Wanderweg, der Bergerfahrung voraussetze. Solche Aussagen sind ja immer ein bisschen schwierig zu interpretieren. Da ich ja ziemlich oft in den Bergen wandere, habe ich dann Bergerfahrung? Oder heisst das, dass der Weg schwierig oder gefährlich ist? Keine Ahnung!

Walter, mein Engel, der mich immer kutschiert hat. Grazie, Walter!

 

Laut Plan sollte ich knapp 5h brauchen, bis zur Hütte sehr steil, Aufstieg zum Pass SEEEHR SEEEHR steil. Das kann ja heiter werden, da bin ich jedenfalls langsamer als prognostiziert, denn da merkt man das Gewicht des Rucksacks umso mehr.

Beim Startpunkt versammelt sich eine grosse Gruppe. Einer fragt mich, ob ich auch dazugehöre….

Ich hole meine geplante Route auf den Bildschirm und starte die Navigation, nicht weil ich sie brauche, sondern weil ich so grad die Route aufzeichne. Da fällt die Route raus, auch die Wege und Höhenkurven. Also nochmals von vorn, fällt alles raus. Ich lasse es mal so, denn bis zur Hütte kann man sowieso nichts falsch machen. Interessanterweise navigiert mich die Stimme, obwohl sonst alles weg ist. Immerhin – aber ich muss mich blind darauf verlassen, während ich normalerweise bei Verzweigungen mit mehreren Wegen kontrolliere, ob ich wirklich den richtigen nehme. Das ist heute allerdings kein Thema. Es gibt nicht viele Verzweigungen und ich habe die Route einigermassen im Kopf.

Der Aufstieg zur Hütte ist tatsächlich ziemlich steil und steinig und man muss manchmal hohe Tritte überwinden, was ein bisschen in die Beine geht, ansonsten aber kein Problem ist. Es ist kalt und es bläst ein ekliger Wind, besonders oben. Die Aussicht ist grandios, hinten im Tal sieht man die Schneeberge.

Bei der Hütte kann ich mich in den Windschatten verziehen, da geht es.
Ich kontrolliere meine Karte und die heutige Route ist definitiv nicht mehr zu holen, was ja nicht so schlimm wäre, aber die Wege und Höhenkurven sind auch nicht mehr vorhanden.
Das ist ja nicht so schlimm, denke ich, ich hole einfach die gestrige Route, dann habe ich die Karte für heute auch drauf. Haste nur gedacht. Ich probiere alle Karten, die ich zum Offlinegebrauch heruntergeladen habe: Alles weg!

Nun schalte ich halt die Navigation wieder ein, das funtioniert. Also ist die Route gespeichert, ich sehe nur nichts.
Eine Weile geht’s dem Hang entlang, dann steil bergauf im Zickzack, manchmal auf Wiese, manchmal ist es felsig und man muss ein bisschen kraxeln. Nicht immer kann man gut sehen, wo der Weg ist und ich komme prompt vom Weg ab.

Gestern hat mich die Navigationstante genervt, weil sie mir ständig erzählt hat, wie weit ich mich von der Route entfernt habe, heute, wo ich es brauchen könnte, sagt sie lange nichts. Irgendwann kommt dann der Kommentar, ich hätte mich von der Route entfernt und es gebe kein Internet zum Umplanen, ich solle einen Blick auf die Karte werfen. Ha ha, das kann ich schon, aber es ist ja nichts drauf. Ich weiss aber, dass ich zu weit nach rechts geraten bin. Nach mühsamem Rumkraxeln komme ich nach einer Weile wieder auf den geplanten Weg. Es wird immer steiler und schwieriger, ich muss häufig die Hände zu Hilfe nehmen. Ausserdem puste ich wie eine Dampflok.

Es wird immer felsiger und dann geröllmässig, viele lose Steine. Zum Glück hat es auch immer wieder grosse Felsstücke, an denen ich mich halten kann. Je länger je mehr krieche ich auf allen Vieren da hoch und bin ziemlich ausser Atem. Die Stellen, die am wenigsten steil sind, sind etwa so wie zum Erzhornsattel rauf, der Rest ist aber steiler und das Gestein ist total lose. Einmal mehr bin ich nur froh, dass ich hier hinauf muss und nicht hinunter, da hätte ich wohl Panik. Langsam verlassen mich die Kräfte. Und ich komme und komme nicht vorwärts. Ich brauche fast eine Stunde für 500m.

Das ganze ist schon ein bisschen grenzwertig….

Endlich bin ich oben. Juhui!! Ziemlich ko! Hier oben gibt es noch Ruinen aus dem ersten Weltkrieg. Nicht auszudenken, dass die hier oben hocken mussten, wahrscheinlich ja auch im Winter. Es ist immerhin 2600m hoch. Das muss brutal gewesen sein!

Hier oben bin ich erstmals an der Sonne und suche mir ein geschütztes Plätzchen für mein Mittagessen. Ich bin nämlich am Verhungern!

Auf der anderen Seite des Passes ist es zum Glück weniger steil und der Weg verläuft zum Teil auch durch Wiesen. Es gibt aber schon auch Stellen, wo man mal kraxeln muss oder wo es Geröll hat oder steil ist. Mit dem, was ich schon in den Beinen habe, ist es auch nicht so einfach. Verglichen mit dem Aufstieg auf der anderen Seite, ist der Weg hier jedoch lieblich…. 😉

Plötzlich höre ich Steine kullern und sehe gerade noch ein paar Gämsen den Hang hochrennen.

Von hier hat man einen wunderbaren Blick ins Daone Tal mit seinen Seen. Die Lärchen sind auch zum grössten Teil schön gelb. Es ist eine Augenweide!!

Jetzt bin ich in einem B&B, das der Besitzer, Federico, selber gebaut hat, mit einem riesigen Chemineefeuer. Sehr gemütlich.

22. Okt. 2019 Berzo-Demo – Malga Lincino

Der Tag sieht vielversprechend aus: Die Sonne scheint!
Walter bringt mich nach Berzo-Demo. Ich habe meine Tour verlängert, ich werde ganz bis ans Ende des Tales laufen, dann kann ich morgen direkt über den Pass. Ich bin zwar ein bisschen unsicher über den Schwierigkeitsgrad, aber ich versuche es. (Ich habe einen anderen Pass ausgesucht als den im Buch vorgeschlagenen. Da müsste ich eben den achtstündigen Weg unter die Füsse nehmen, was mir zu lang ist)

Die Route geht über Monte und Cevo, allerdings ist die Strasse zwischen den beiden Dörfern gesperrt. So muss ich umkehren und weit hinaufwandern. Ich beschliesse, oben zu bleiben und über Saviore dell’ Adamello nach Valle di Saviore zu wandern, statt ganz hinunter nach Fresine zu gehen, denn nachher muss ich sowieso alles aufwärts ins Tal hinein wandern.

Die gesperrte Strasse hat mir eine wunderschöne Route beschert, die ich geniesse. Sie führt durch den Wald, vorbei an einigen Lichtungen. Ich mache zwar auch einige Höhenmeter, aber alles auf guten Pfaden.

Saviore dell’Adamello soll ein Fremdenverkehrsort sein. Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt….

Der Weg ins Tal, bis Malga Lincino, zieht sich, aber es lohnt sich! Am Ende holt mich Walter wieder ab.

Über den Pass in der Mitte geht’s morgen

21. Okt. 2019 Schlechtwetterpause

Heute schifft’s und alles ist grau verhangen. Trotzdem wollte ich eigentlich weiter, aber ich muss mein Programm sowieso wieder umstellen, da die Hütte, die ich anpeilen wollte, nur bis Ende Sept. offen hat.

Nun mache ich halt Pause, wasche, faulenze.

Nach dem Mittag lässt der Regen etwas nach und ich mache einen Spaziergang zu der riesigen Kirche hinauf, die mir schon vorgestern vom Zug aus aufgefallen ist.

Die Kirche ist so hoch geraten, dass sie fast höher ist als der Turm 😉

20. Okt. 2019 Edolo-Berzo-Demo

Da der Wetterbericht so schlecht ist, muss ich die Sache ein bisschen hinauszögern, denn so kann/will ich nicht über den Pass.
Deshalb habe ich die heutige Etappe aufgeteilt, sodass ich mich frühestens übermorgen an den Aufstieg mache. Das hat auch den Vorteil, dass ich meine Füsse noch ein bisschen schonen kann. So ca vier Stunden geht es gut, ist mir zwar eigentlich zu kurz, fünf/sechs wären ideal, aber für meine Ferse und Kniekehlen reicht’s. Da ich ja noch eine lange Strecke vor mir habe, bin ich lieber vorsichtig.

Ich habe auch die längste Zeit daran herumstudiert, ob und wie ich die achtstündige Passüberquerung mit ca 1300 Höhenmetern vermeiden kann. Ich habe lange keine Möglichkeit gesehen, aber jetzt denke ich, ich hab’s, sofern ich ein Bett in der auserkorenen Hütte kriege. Da muss ich zwar über einen höheren Pass, kann es aber dafür in zwei etwa vierstündigen Etappen machen. Die acht Stunden mit soviel Höhenmetern wäre sowieso schon ein bisschen grenzwertig gewesen, umso mehr mit einem schweren Rucksack. Ein paar Kilo mehr oder weniger machen halt schon viel aus, wenn es steil ist und mit jeder Stunde mehr. Ausserdem hätte das mein Fuss wahrscheinlich nicht mitgemacht. Leider verpasse ich so die besonders schöne Route, aber vielleicht könnte ich sie ja auch nicht geniessen, wenn ich auf den Felgen wäre.

So ist also die heutige Etappe leicht, ca vier Stunden, mehr oder weniger auf Strässchen. Der Morgen fängt sonniger an, als ich erwartet habe, eine schöne Stimmung mit Sonne und Wolken und recht warm. Ich starte erst nach zehn Uhr.

Ich komme an einem Kraftwerk vorbei. Die haben oft so schöne, alte Gebäude, das ist mir schon gestern aus dem Zug aufgefallen. Da habe ich ein paar Fotos gemacht…

Bald fängt es zu regnen an, nicht so stark, ich zieh den Poncho an. Obwohl ich mich extra nicht so warm angezogen habe, fange ich bald an zu schwitzen und ich bin froh, dass es vor der Steigung aufhört zu regnen, so dass ich mich wieder aus dem Poncho schälen kann.

In jedem Dorf gibt es Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges. Hier verlief die Front im Gebirgskrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien zwischen 1915 und 1917. Es soll ein gutes Museum geben, aber da ich zu Fuss unterwegs bin, kann ich nicht alles machen.

Da heute Sonntag ist, treffe ich im Wald sogar ein paar Leute, die Kastanien sammeln und ausserdem einige Jäger..

Meine heutige Unterkunft ist in Malonno. Das liegt im Tal und ich wandere hoch oben am Hang daran vorbei. Ich habe mit meinem Vermieter, Walter, abgemacht, dass er mich in Berzo-Demo abholt. Morgen wird er mich wieder dahin bringen, abends noch einmal abholen und am Tag darauf wieder bringen. Ist zwar ein bisschen umständlich, aber in diesen Bergkäffchen gibt’s halt nicht viele Möglichkeiten in dieser Jahreszeit.

19. Okt. 2019 Abstecher nach Capo di Ponte

Laut Wetterbericht regnets jetzt drei Tage lang. Deshalb mache ich einen Abstecher nach Capo di Ponte, wo es berühmte Felsenbilder hat.

Ich nehme den Zug von Edolo aus. Die Fahrt dauert eine knappe halbe Stunde dem Fluss Oglio entlang. Wo sich das Tal verengt, wird der Fluss wilder und der Zug fährt durch ein paar Tunnels.

In Capo di Ponte suche ich die Info, finde sie aber nicht und gehe zum Museum, nur um festzustellen, dass es am Samstag erst um 14 Uhr öffnet. (Es ist jetzt 10:30) Eigentlich hätte ich ja wissen müssen, dass ich hier genau planen und mich bestens informieren muss, weil man nie weiss…. Die Öffnungszeiten sind täglich anders!

In einem Kiosk erkundige ich mich und der Herr ist sehr nett und findet, die Info sei zu weit weg zu Fuss 😉 Er gibt mir Hinweise, was ich unternehmen kann und wie ich dahinkomme.

Eine schöne alte Steinkirche thront über dem Fluss. Ich überquere die Brücke und wandere die Strasse hinauf. Es regnet immer mehr und ich ziehe den Regenponcho über, das hätte ich besser von Anfang an gemacht…

In einem kleinen Tal hinter einem Felsrücken komme ich zu einer Ausgrabungsstätte. Da liegen zwei grosse Felsbrocken mit eingeritzten Bildern. Die Zeitspanne, in der diese Felsenbilder angefertig worden sind, erstreckt sich über ca 8000 Jahre. Von hier aus ist es gar nicht weit zu einem archäologischen Park mit vielen Felspartien, die voll sind mit solchen Bildern.

Ich gehe zur Kasse. Der junge Mann meint, es sei nicht gerade das beste Wetter, um sich die Bilder anzuschauen. Da hat er zwar recht, aber wenn das Wetter gut wäre wäre ich wohl nicht hier, sondern auf Wanderschaft. Immerhin habe ich für einen Moment seine Langeweile unterbrochen.

Natürlich bin ich weit und breit die einzige, die da im Regen rumstoffelt, deshalb kann ich mir alles in Ruhe ansehen. Wahrscheinlich ist es ein Nachteil, dass alles nass ist und glänzt, vielleicht würde man es besser sehen in trockenem Zustand, trotzdem kraxle ich etwa zwei Stunden rum.

Es hat viele Menschen- und Tierbilder, va. kriegerische Szenen oder von der Jagd, aber auch vom Pflügen und manchmal auch geometrische Formen, Gitter oder Kreise. Ich habe auch ein paar Fotos gemacht. Obwohl man es nicht so gut sieht, gibt es vielleicht einen kleinen Eindruck.

Am Ende setze ich mich an einen Picknicktisch unter einem Pavillon und verzehre gemütlich meinen mitgebrachten Zmittag. Kaum habe ich zusammengepackt, fängt es wieder heftiger an zu regnen.

Ich gehe noch zur Steinkirche, in die man leider nicht hinein kann.

Schliesslich setze ich mich in eine Bar und trinke einen Tee zum Aufwärmen. Es sind viele Männer hier, ein paar spielen Karten und diskussieren nach jeder Runde heftig. Es ist spannend die Gesichter während des Spiels und beim Disput zu beobachten. Es ist wie wenn Fanatiker jassen ;-))
Einer regt sich furchtbar über seinen Partner auf und brüllt jedesmal. Verstehen kann ich zwar praktisch nichts, weil sie auch diesen seltsamen Dialekt sprechen. Da kommen viele ü drin vor, was eigentlich gar nicht italienisch ist und der Tonfall ist auch fremd.
Die Karten sind auch anders als alle, die ich kenne. Sie sind schmal und hoch und haben seltsame Symbole, nur einen König kann ich erkennen. Die Spielregeln kann ich nicht nachvollziehen, die müsste mir schon jemand erklären.

Nachher gehe ich zum Bahnhof, weil ich nicht mehr ins Museum mag, und muss feststellen, dass ich den Zug um 10 Minuten verpasst habe und der nächste in zwei Stunden fährt. Es müsste meines Wissens auch einen Bus geben. Ich frage in der Bar nach. Der Besitzer kommt mit mir zur Busstation und wir schauen uns den Fahrplan an. Um vier sollte einer kommen, das ist immerhin 40 Minuten früher als der Zug. Als ich jedoch da warte, kommt und kommt kein Bus. Ich studiere nochmals den Fahrplan und stelle fest, dass dieser Bus am Wochenende nicht fährt. Ha ha – nun muss ich doch auf den Zug warten.

Zurück im Hotel fange ich an, eine Unterkunft für morgen zu suchen. Entweder wird die Webseite nicht gefunden, was hier oft vorkommt, oder die Telefonnummer ist nicht mehr gültig oder sie haben zu wegen Ferien oder…. denk dir was aus!
Am Ende finde ich dann doch noch etwas, aber natürlich nicht da, wo ich eigentlich wollte, d.h. ich muss zusehen, wie ich von und zur Route komme. Aber immerhin!

18. 0kt. 2019 Cortenedolo – Edolo

Nach der gestrigen ca 7 1/2 stündigen Tour schone ich mich heute, da meine Ferse nicht so Freude hatte.

Mein Hotel steht gleich am Fluss Oglio, bei einem Wasserfall. Auch bei geschlossenem Fenster höre ich das Rauschen.

Ich mache einen Spaziergang durch die Altstadt mit ihren engen, gepflasterten Gassen, gehe in die Kirche und bestaune die Fresken. Diese Kirche gefällt mir. Sie ist nicht so überladen mit Prunk und Protz, sondern kommt viel bescheidener daher und ist auch heller als die meisten anderen.

Ich nehme den Bus nach Cortenedolo, wo ich gestern Abend in der Bar gelandet bin. Von dort starte ich in Richtung Edolo. Ich habe nur mein Minirucksäcklein dabei.
Ich wandere durch das Dorf, das noch engere und kleinere Gässchen und Durchgänge hat. Mein erstes Ziel ist die Kirche, da soll es auch Malereien geben. Ich muss zugeben, sie gefällt mir nicht: extrem düster und überladen, da fühle ich mich nicht wohl.

Auf einem schmalen Strässchen gehe ich aus dem Dorf. Es verläuft am Hang. In einem Taleinschnitt überquere ich einen Bach, der hier eine enge Schlucht gegraben hat. Sieht toll aus, wird aber leider offenbar auch mal als Abfalldeponie missbraucht. Das Zeug kriegt man nicht mehr raus, weil man gar nicht hinuntersteigen kann.

Etwas weiter komme ich zu einem Kirchlein, das wahrscheinlich dem Zusammenbruch nahe ist, jedenfalls darf man nicht hinein.

Langsam steige ich höher. Da es heute nicht so sonnig ist, leuchten auch die Farben weniger. Trotzdem ist der Blick ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge schön.
In Vico verlasse ich meine Route und gehe durch das Dörfchen und zur Kirche hoch, die allerdings geschlossen ist.

Bis jetzt habe ich meine Routen immer auf komoot geplant, aber nie aufgezeichnet. Gestern wollte ich das erstmals machen, habe es aber nicht geschafft, die Route aufzuzeichnen und gleichzeitig die geplante Tour zu konsultieren. So blöd, was nützt mir die Aufzeichnung, wenn ich mich dann verirre?

Heute versuche ich es wieder. Es muss doch möglich sein. Ich entscheide mich, die Navigation einzuschalten, einfach, um es einmal auszuprobieren. Eigentlich brauche ich das ja nicht, dass mir ständig eine Stimme erzählt, wo ich laufen muss. Ist ja wirklich ein bisschen bescheuert. Ich bin aber angenehm überrascht, dass das ziemlich unaufdringlich abläuft und wenn man immer auf dem gleichen Weg läuft, hat sie ja auch nichts zu sagen. Und das Gute: Die Strecke wird gleichzeitig aufgezeichnet und ich kann sie speichern.

In Vico jedoch verlasse ich, wie gesagt, kurz die Route, weil ich zur Kirche hinauf will. Da erzählt mir die Stimme ständig, ich hätte die Route verlassen, sie sei 30m rechts von mir und kein Internet zum Umplanen, ich müsse umkehren….

Natürlich bin ich bald wieder auf dem richtigen Weg und sie kann sich wieder beruhigen 😉
Irgendwann muss ich steil bergauf auf einem unebenen Weg und dann den Hang entlang auf einem Wiesenweglein bis zu einem Bildstock, hoch über Edolo. Hier mache ich Rast, esse etwas kleines und geniesse die Aussicht.

Da ich kurz vor meiner Reise noch ganz spontan einen Urban Scetching Kurs besucht habe, habe ich kurzerhand noch ein paar Zeichnungssachen eingepackt und wage mich jetzt an meine erste Zeichnung auf dieser Wanderung. Na ja – ich muss noch üben…

Am Ende des Weges muss ich ganz steil runter. Der Weg ist voller Blätter und Kastanien. Letztere bilden ein Kugellager und ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. Hier könnte ich tonnenweise Kastanien sammeln. Es reut mich fast, sie einfach liegen zu lassen. Nur, was soll ich damit? Ich bekomme aber Lust auf heisse Marroni, ganz heiss!

In Edolo unten setze ich meinen Stadtrundgang fort und gehe auch zur Chiesa Santa Maria Nascente. Von hier oben hat man einen schönen Blick über die Dächer.

17. Okt. 2019 Tirano – Trivigno – Cortenedolo

Heute gehe ich es gemütlich an, ist doch die Wanderung nach Trivigno nur ca 3 3/4 Stunden lang. Ein wunderschöner Tag erwartet mich.

Während ich das erste Stück noch durch Tirano wandere, schaue ich durch die Tore in die Hinterhöfe hinein. Bei den alten Häusern gibt es meistens einen gewölbten Durchgang in den Hof und manchmal hinten raus in den Garten.

Dann geht es bergwärts zu einer Burgruine. Von hier schweift der Blick über Tirano, die Rebhänge und hinein ins Puschlav bis zum Bernina.

Ich höre den Zug der Rhb pfeifen, mehrmals und lange. Er fährt mitten durch die Stadt und überquert einen grossen Platz, in den mehrere Strassen münden. Damit ja nichts passiert gibt’s ein Gebimbel und der Zug pfeift und fährt im Schritttempo. Das weckt ein bisschen nostalgische Gefühle, ist es doch wie früher, als jeder Zug bei den unbewachten Bahnübergängen pfiff. Allerdings stelle ich mir vor, dass es gar nicht lustig ist, wenn man da wohnt und dieser Lärm mehrmals stündlich stattfindet. Der einzige Trost ist, dass nachts kein Zug fährt….

Oberhalb der Burg führt der Weg in den Wald mit seinen herbstlichen Farben, Kastanien und Pilzen. Nun muss ich bis Trivigno fast 1300 Höhenmeter hinaufsteigen. Diese ganze Strecke legt man auf einem alten, steilen, gepflasterten Weg im Zickzack zurück. Ich treffe keine Menschenseele.

Trivigno liegt auf einer schönen, sonnigen Terasse, perfekt, um den Rest dieses wunderbaren Tages faulenzend zu verbringen. Nur leider hat das Hotel zu! Ich habe es draufankommen lassen und bin prompt reingefallen. Ich treffe ein älteres Paar, die fragen, ob ich etwas brauche. Ich lache und sage: Ja ein Bett, ich wollte hier übernachten. Oh je, da könne man nichts machen, viel Glück!
Etwas weiter oben treffe ich einen Mann, den ich frage, ob es hier in der Nähe eine Übernachtungsmöglichkeit gebe. Er verneint und fragt, woher ich gekommen sei – von Tirano – Complimenti – Morgen wollte ich bis Edolo wandern – Das schaffen Sie schon noch, in vier Stunden sind Sie da…
Das dumme ist nur, dass meine App sagt, sechseinhalb Stunden, 20km und es ist schon 14:45. Na gut, meint er, in fünf Stunden ist das zu schaffen, es geht fast nur noch abwärts.
Ich weiss jedoch, dass meine App ziemlich genaue Prognosen macht und wenn es steil runter geht, bin ich langsam, das ist nicht mein Ding.

In dem Moment kommt mir leider nicht in den Sinn, dass ich ein Taxi von Tirano kommen lassen könnte und beschliesse, halt weiterzuwandern. Die Bäume leuchten und die Aussicht gegen Süden ins Adamellomassiv, bis 3350m hoch, Ogliolo-Tal und in die Bergamasker Alpen ist fantastisch! Das einzige, worüber man meckern könnte, ist, dass die Strasse asphaltiert ist, aber die Aussicht und die goldene Stimmung machen das mehr als wett!
Es wäre auch kein Problem, wenn meine Ferse nicht wieder anfangen würde zu schmerzen. Von der Kondition her, kann ich es gut machen, fürchte aber ein bisschen, dass ich meine Ferse ruiniere.

Deshalb beschliesse ich, irgendwo eine Pause einzulegen und nach Edolo zu telefonieren um ein Hotelzimmer zu reservieren und mich vielleicht irgendwo abholen zu lassen. Bei einer Nummer kommt eine Ansage, die ich nicht verstehe und bei der anderen kommt eine Automatenstimme und sagt mir, ich solle den Code eingeben. Hä – was für ein Code?

Nun, da bleibt mir wohl doch nichts anderes übrig, als auf meinen Füssen ins Tal hinunterzuwackeln, nach Cortenedolo, und zu hoffen, dass ich da ein Restaurant oder vielleicht sogar ein Hotel finde.

 

Tatsächlich gibt es hier eine Pizzeria/Trattoria – nur leider geschlossen wegen Ferien! Gut, dann gehe ich halt mal in die Bar und frage, ob es was in der Nähe gibt. Ja, im nächsten Dorf (nur leider in der falschen Richtung – aber egal) Restaurant und Hotel in einem. Ich frage die junge Frau, ob sie sicher sei, dass die geöffnet haben, denn es ist doch noch ein Stück und ich bin schon mehr als 7 Stunden gewandert. Sie meint, ja es sei offen, ruft dann aber vorsichtshalber noch jemanden an und siehe da: Heute gschlossen. Ich frage die Männer vor der Bar, ob es ein Taxi gebe – Nein – in Edolo? – Nein, auch nicht. Wundert mich ja eigentlich nicht, wo doch jeder ein Auto hat.
Es gibt ein paar Mal am Tag einen Bus, der letzte ist vor einer halben Stunde gefahren.

In Frankreich hätte ich gar nicht so lange rumfragen müssen, da hätte schon lange jemand gesagt: Wissen Sie was? Ich fahre Sie schnell hin. Aber nicht hier!

Die junge Frau an der Bar sagt, sie könne mich gerne hinfahren, aber leider erst nach der Arbeit, so um 21:45. Für mich wäre das ok, wenn ich wüsste, dass ich ein Zimmer habe. Also wird nochmals gesucht. Sie gibt mir die Nummer vom Eurohotel. Da habe ich es zwar schon versucht, aber sie hat eine andere Nummer – interessant – und tatsächlich nimmt jetzt jemand ab und ich kriege ein Zimmer – uff!

Es war mir schon klar, dass es in Italien schwierig sein würde, eine Unterkunft zu finden, besonders in dieser Jahreszeit, aber hier im Norden hatte ich es nicht erwartet. Und dass die Leute so wenig hilfsbereit sind, auch nicht. Die junge Frau an der Bar hat sogar einige der Männer gefragt, ob mich einer nach Edolo fahren könnte (5 Min) Keiner wollte. Ich hätte ja auch bezahlt. Ist auch eine Erfahrung.

Beim Warten sortiere ich meine Fotos, mache Collagen und fange an zu schreiben.

Nach und nach kommen mehrere Männer rein. Sie unterhalten sich und ich verstehe nichts. Die haben einen extremen, seltsamen Dialekt, nicht nur von der Sprache her, sondern auch vom Tonfall. Sie schreien oft beim Reden, jedoch nicht, weil sie eine heftige Diskussion hätten…

Die nette, junge Frau nimmt mich auf dem Nachhauseweg mit und lädt mich in Edolo ab. Vielen Dank!!
Um 10 Uhr bin ich dann endlich im Hotel, wo mich eine nette Dame an der Reception empfängt.

16. Okt. 2019 Mit dem Zug nach Campascio und zu Fuss nach Tirano

Heute geht’s endlich Richtung Süden. Mit dem Zug wieder nach Campascio, wo ich mit der Wanderung aufgehört habe, und von da nach Tirano.

    Heute früh in St. Peter

Zur Zugfahrt brauche ich nicht viel zu sagen, gleiche Szenerie, aber ein Monat später. Die Farben haben sich verändert. Alles leuchtet golden und das Wetter ist perfekt: blauer Himmel, aber doch noch ein paar Nebelschwaden und Wolken um die Berge herum.
Der blaue Himmel, frisch verschneite Gipfel und goldene Lärchen, eine traumhafte Kombination. Es ist überwältigend!

Zum Glück habe ich die Alpenüberquerung schon vor ein paar Wochen gemacht. Nun liegt in den höheren Lagen überall Schnee. Schon in Preda fängts an, über den Pass wär’s jetzt schwierig.

    2. Bild links: Über diesen Pass bin ich vor einem knappen Monat gewandert

 

Was ich vielleicht noch nicht erwähnt habe: Der Stausee auf dem Bernina Pass, der Lago Bianco, ist speziell, da er an beiden Enden eine Staumauer hat.

Bernina, Lago Bianco

    Palüsee, Lago di Poschiavo, Kreisviadukt, Brusio

Von Campascio aus wandere ich gemütlich gen Tirano. Ich hatte es mir steiler vorgestellt. Das hätte ich letztes Mal auch noch machen können. Aber nun ist es ein gutes Einlaufen für den morgigen Start.

Der trenino rosso überquert den Platz hinter der Wallfahrtskirche

Tirano ist nichts Spezielles. Ich besuche die Wallfahrtskirche Madonna di Tirano, von aussen ist sie schön, innen erschlägt es einen fast. Alles ist schwer und überladen, wie so oft.

In der Altstadt gibt es zahlreiche schöne Palazzi, die aber schon wesentlich bessere Zeiten gesehen haben. Einige sind dem Zerfall nahe, was schade ist.

27. Sept. 2019 Mit dem Zug zurück

Mein Zug nach Hause fährt ca um halb zwölf. So habe ich noch etwas Zeit einen kleinen Rundgang durch Poschiavo zu machen. Es ist wirklich schön und hat einige herrschaftliche Häuser, gebaut von Leuten, die in der Fremde als Zuckerbäcker reich geworden und dann nach Hause gekommen sind und sich ein tolles Haus gebaut haben.

 

Um halb zwölf nehme ich den Zug. Ich wechsle also die Perspektive. Habe ich die letzten sieben Tage die Züge und die Bahnlinie von aussen betrachtet, schaue ich jetzt hinaus und nehme wahr, was man als Passagier mitbekommt von der Landschaft und den bemerkenswerten Linienführungen und Bauwerken.

Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, mit ca 10 Jahren mit meiner Grossmutter von Pontresina nach Poschiavo gefahren bin. Es war Herbst und die Bäume standen in ihrer leuchtenden, herbstlichen Farbenpracht, während wir im Zug in grossen Serpentinen vom Bernina ins Puschlav hinunterfuhren. Es hat mich damals tief berührt und ich habe es nie vergessen.

Diesmal bin ich noch ein bisschen zu früh, die Bäume fangen erst an, sich zu verfärben. Es ist auch so wunderschön und es macht Spass, die Touristen zu beobachten, wie sie nach jeder Kehre auf die andere Seite gehen, um zu fotografieren.

Wenn man hinausschaut, sieht man auch immer wieder Wanderer, die den Zug fotografieren und winken. Von innen und aussen wird geknipst.

Mir gefällt es, die Strecke entlang zu fahren, auf der ich gewandert bin und alles nochmals Revue passieren zu lassen, mich zu erinnern, wie die Route und das Wetter waren und wie ich mich gefühlt habe….

Mit grosser Dankbarkeit und Zufriedenheit stelle ich wieder einmal fest, in welch unglaublich schönem und vielfältigen Land ich lebe!

Da ich auf dem Hinweg erst bei Filisur auf die Albulalinie gestossen bin, habe ich jetzt noch einen bahntechnischen Höhepunkt vor mir, den ich noch nicht gesehen habe: Das Landwasserviadukt.
Man kann sich fast nicht vorstellen, wie so etwas vor mehr als hundert Jahren gebaut werden konnte, auch wenn ich weiss, wie es gemacht wurde, finde ich es doch staunenswert.

Nun hoffe ich, dass ich rechtzeitig von Tirano aus weiterwandern kann, so dass ich nicht allzu spät in Cupra ankommen werde….

26. Sept. 2019 Poschiavo – Campascio

Da ich mich ein bisschen lädiert fühle und sowieso noch einmal hier übernachte, packe ich nur mein Minirucksäcklein mit dem Allernötigsten: Proviant und Regenschutz und mache mich auf den Weg Richtung Tirano.
Ich weiss jetzt schon, dass ich wahrscheinlich nicht ganz bis dorthin wandern werde, sondern nur bis Brusio.
Heute gehe ich sozusagen den Weg, des geringsten Widerstandes. Ich mache nur einen Spaziergang im Tal durch die Dörfer, anstatt den schönen Wanderweg in der Höhe über S. Romerio zu nehmen, da ich meine Beine schonen möchte. Ich fahre zwar morgen nach Hause, möchte dann aber später die Wanderung fortsetzen, muss also vorsichtig sein.

Beim See mache ich eine kleine Rast und geniesse die Sonne und den Anblick des Sees mit den Spiegelungen der gegenüberliegenden Hängen.

Nachher wandere ich auf der linken Seite des Sees, während Zug und Autos auf der anderen Seite fahren. Die offizielle Via Albula Bernina verläuft am anderen Ufer, ich habe jedoch keine Lust so nahe an der Strasse zu wandern.

Der Weg, den ich gewählt habe, verläuft immer ganz am Seeufer an einer steilen, felsigen Bergflanke entlang. Zweimal muss ich sogar durch einen Tunnel, wo es merklich kühler ist.
Gegen Ende des Sees finde ich ein schönes Plätzchen für meine Mittagsrast.

Nachher wird das Tal viel enger, sodass ich leider wieder den ganzen Verkehr höre. Erst bei Brusio wird es wieder etwas weiter. Weit genug, dass die Spirale des Bahntrassees nicht in den Berg verlegt werden musste, sodass man die Pirouette, die der Zug hinlegt, staunend beobachen kann. Eigentlich simpel – und doch faszinierend!
Ich gehe zum Kreisviadukt und mache ein paar Fotos.

Ich schätze, dass es etwa gleich weit ist, wieder zum Bahnhof Brusio zurück zu laufen oder abwärts zur nächsten Haltestelle, Campascio. Dort kommt zum Glück bald ein Zug. Das Timing stimmt hervorragend und ich tuckere wieder zurück nach Poschiavo.

25. Sept. 2019 Bernina – Poschiavo

Mit dem Zug fahre ich zum Bernina Hospiz. Es ist wärmer als ich erwartet habe und die Stimmung am See ist wunderschön. Die gegenüberliegenden Berge spiegeln sich im Wasser.

Ich wandere gemütlich zur Alp Grüm von wo man einen fantastischen Blick ins Val Poschiavo hat. Weit oben sieht man den Palügletscher und unten den leuchtend mintgrünen Palüsee.

Ich wähle den Pfad unterhalb des Sees, der an einem tosenden Wasserfall vorbeiführt und dann über die “Terasse” von Cavaglio führt. Ein paar der Lärchen sind goldgelb während die meisten noch ganz grün sind und bestenfalls einzelne gelbe Zweiglein haben.

Hier mache ich meine Mittagsrast und geniesse die Sonne. Allerdings ziehen immer wieder Wolken vorbei, dann ist es deutlich kühler. Plötzlich macht es zu und es wird richtig kalt. Ich packe schnell zusammen und gehe zum Gletschergarten. Schon fängt es an, zu tröpfeln. Zum Glück wird kein ernsthafter Regen daraus und es wird wieder warm.

Ich spaziere durch den Gletschergarten und bestaune die Gletschermühlen oder -töpfe. Die entstehen dort, wo der Gletscher nach einer flachen Passage über steiles Gelände fliesst und es dadurch grosse Risse gibt. Das Schmelzwasser kann so unter den Gletscher gelangen und gerät unter grossen Druck. Es fliesst sehr schnell und führt Sand und Kies mit sich. Bei Unebenheiten des Untergrundes gibt es Wirbel und das Wasser mit Quarzsand schleift Löcher hinein. Später füllen sich diese Löcher mit Steinen und Erde.

Freiwillige haben diese Löcher ohne Maschinen, nur mit Schaufeln, ausgegraben und den Gletschergarten angelegt. Es gibt auch einen kleinen Pflanzenteil und eine Aussichtsplattform von der man ins Tal hinunter sieht bis zum Poschiavosee. Durch ein Fernrohr kann man fast in Poschiavos Gassen schauen….

Unterhalb der Eisenbahnbrücke gibt es noch eine Plattform, von der aus man den wilden Fluss bestaunen kann. Auch hier gibt es Töpfe, das Wasser sprudelt und wirbelt und man kann sich gut vorstellen, dass es die Felsen bearbeitet und formt.

Nun geht der Weg durch den Wald hinunter. Immer wieder hört man einen Zug mal oberhalb, mal unterhalb, mal rechts oder links. Er fährt hier in mehreren grossen Serpentinen hinauf oder hinunter.

Immer wieder regnet es leicht, aber stellenweise scheint auch die Sonne. Poschiavo ist meistens beleuchtet. Ich blicke zurück und die Berge sind in dunkle Wolken gehüllt. Bald erscheint ein Regenbogen…

Schliesslich erreiche ich Poschiavo und zur Belohnung gibt’s ein leckeres Eis.

24. Sept. 2019 Pontresina – Bernina Hospiz

Beim ersten Blick aus dem Fenster sehe ich einen von der strahlenden Morgensonne beleuchteten Berggipfel und blauen Himmel! Beim Zmorge sehe ich nur noch weisse Sosse, der Blick reicht kaum zum nächsten Haus. Zum Glück wird es aber bald wieder besser.

Bis Morteratsch ist es eine gemütliche Wanderung. Die Lärchen fangen an, gelb zu werden, aber nicht wie normalerweise von der Spitze her, sondern es gibt einzelne Zweiglein die schon gelb leuchten, der Rest ist immer noch frisch grün.

Von der Bahnstation aus sieht man nichts vom Gletscher. Es ist schon erschreckend, wie sehr er geschrumpft ist. Ich bin vor Jahren mal zum Gletscher gewandert. Das ist ein rechtes Stück, und dünn ist er auch geworden. Das sollte uns wirklich zu denken geben….

Nun kommt das schönste Stück der Strecke. Das Wasser des Ova da Bernina hüpft und springt und rauscht laut über Stock und Stein. Es ist gewaltig und wunderschön. Ich könnte mich hinsetzen und stundenlang zusehen…

Die Strecke von Bernina Suot über Diavolezza, Lagalp bis Hospiz zieht sich und es bläst ein richtig kalter Wind, aber die Sicht auf die verschneiten Berge ist schon unglaublich schön! Zum Essen muss ich mir allerdings einen geschützten Platz suchen und bin auch so ziemlich durchgefroren bis ich fertig bin. Mit Siesta wird nichts.

Oben beim Lago Bianco gehe ich rechts rum und muss so gut 3/4 des Sees umrunden. Das Panorama ist eindrücklich und die schmucken roten Züge sehen winzig aus vor dieser Kulisse!

Dann nehme ich den Zug zurück bis Morteratsch. Ich habe mit Giacobina abgemacht, in der Käserei ein Käseplättli zu essen. Beim Bahnhof empfängt sie mich. Es ist viel zu kalt, um draussen zu sitzen und wir fahren mit dem Auto wieder rauf zum Hospiz und gehen in die Cambrenahütte zu einem frühen Znacht.

Nachher übernachte ich nochmals bei Giacobina und werde morgen wieder mit dem Zug hinauffahren, um dort weiterzumachen, wo ich heute aufgehört habe.

23. Sept. 2019 Spinas – Pontresina

Ich wusste ja, dass es heute regnen würde, es ist aber noch schlimmer: es regnet aus Kübeln und ist grau verhangen. Eigentlich wollte ich bis Morteratsch, habe aber gemerkt, dass ich noch ein bisschen einkaufen muss. Mein erster Gedanke war, von Morteratsch mit dem Zug zurück nach Pontresina zu fahren, dort zu übernachten, einzukaufen und am Morgen mit dem Zug wieder nach Morteratsch zu fahren, angesichts des Wetters jedoch, beschliesse ich, nur bis Pontresina zu wandern. Ausserdem ist Giacobina in Pontresina, da kann ich sie besuchen und sie lädt mich ein, bei ihr zu schlafen.

Laut Wetterbericht regnet’s den ganzen Vormittag. Um 12 Uhr fallen Schneefetzen vom Himmel, doch dann wird es besser. Es regnet zwar immer noch, aber wesentlich weniger. Ich montiere Regenhose Halstuch, Jacke und zum Schluss noch den Poncho über alles, auch den Rucksack. Der Poncho ist eine wirklich gute Sache. Er schützt nicht nur mich, sondern auch den Rucksack und meine Hände sind auch versorgt und vor dem Wind geschützt, das macht viel aus, ausserdem kann ich darunter hantieren, ohne dass alles nass wird und meine Chlüppli abfrieren.

So starte ich frohgemut. Am Anfang ist es ein Märchenweg. Es gibt immer wieder  Sitzgelenheiten, die im Kreis arrangiert sind und ein Märchenbuch, ein Ringbuch aus Metall.

Der Weg ist schön und einfach, wird sogar zu einem Strässchen. Ich wandere immer auf der 33 Via Albula Bernina und komme so nach Bever. Nachher sehe ich, dass meine App eine Abkürzung vorgeschlagen hat, der Abstecher hat sich jedoch gelohnt, es gibt schöne alte Häuser und Plätze in Bever.

Jetzt, wo sich der Nebel lichtet sehe ich, dass die Berge verschneit sind. Wie gut, dass ich ein bisschen Gas gegeben hatte und von Filisur direkt nach Preda gewandert war, denn heute hätte ich nicht über den Pass kraxeln wollen…..

Nun geht’s Richtung Samedan am Inn entlang, den man hier aber nicht so oft sieht, dafür hört man die Autostrasse umso besser. Nach Samedan kann man dem alten Flaz entlang wandern, der renaturiert wurde und wunderschön ist. Nun hat es auch aufgehört zu regnen und ich kriege warm unter meiner Montur.

Irgendwo am Flaz finde ich trockene Steine und mache Rast, bevor ich nach Pontresina laufe, wo ich einkaufe und bei Giacobina einkehre. Schön, sie wieder zu sehen!

22. Sept. 2019 Preda – Spinas

Heute steht mir wieder eine “gäche” Tour bevor, 5h, das geht noch, aber es geht von 1760m wieder bis auf fast 2500m zur Fuorcla Crap Alv hoch mit einigen steilen Stücken. Ich habe Respekt, denn gestern war ich ziemlich müde nach der langen Tour.
Leider hat das Wetter umgeschlagen, es ist heute nicht mehr so schön und es weht ein frischer Wind vom Pass herunter.

Zuerst steige ich zum Lai da Palpuogna hinauf, das ist ein wunderschöner See, an dessen Ufer man bis zum anderen Ende wandert. Dann gehts wieder steil hinauf zur Alp Crap (Alp Weissenstein) und weiter am Hang durch Geröllfelder. Unten im Talkessel liegen ein paar kleine Seen. Bald überquere ich die Strasse und wandere Richtung Pass. Die Berghänge leuchten in gelb-orange-rot, dazwischen die grünen Bergföhren. Es sieht fantastisch aus. So eine Farbenpracht in dieser sonst so kargen Landschaft. Plötzlich liegt ein Juwel vor mir: ein glänzend blau-grüner See inmitten der in warmen  Farben leuchtenden Vegetation. Ein toller Kontrast. Leider bläst ein eklig kalter Wind  hier. Es sind einige Leute hier, die von der Strasse hier heraufgekommen sind, um am See zu picknicken, aber alle sehen ziemlich verfroren aus.

Weiter geht’s steil hinauf, langsam aber sicher merke ich meine Beine. Ich brauche eine Pause. Kurz vor der Passhöhe finde ich ein windgeschützte Stelle und esse meinen Zmittag. Für meine Siesta ist es mir aber doch zu kalt und ich gehe bald weiter.

Auf der anderen Seite der Fuorcla Crap Alv hat man eine tolle Sicht ins Val Bever. Ein wunderschönes Tal mit lichtem Wald, Wiesen und einem rauschenden Fluss. Der Abstieg ist anstrengend. Ich muss mich richtig konzentrieren, um nicht zu rutschen und manchmal gibt es hohe Tritte.

Unten am Fluss geniesse ich den Anblick, suche eine schöne Wiese am Wasser und hole meine Siesta nach.
Dann wandere ich im Tal runter nach Spinas, das beim Südportal des Albulatunnels liegt.

21. Sept. 2019 Filisur – Preda

Eigentlich hatte ich heute nur vor, bis Bergün zu wandern, doch die Receptionistin fragt, ob ich bis Preda laufe, und da denke ich plötzlich, dass das eigentlich gut möglich wäre. So wäre ich auch wieder voll im Fahrplan 😉

Ab jetzt werde ich auf der Albula Bernina Route wandern, das heisst immer mehr oder weniger der UNESCO Welterbe Bahnlinie Albula Bernina entlang bis Tirano.
Die einzige Strecke, an der ich nicht der Bahnlinie folgen kann, ist, wenn sie durch den Albulatunnel führt und ich über den Berg muss.

 

Ich beschliesse, vorerst bis Bergün zu wandern und dann zu entscheiden. In Bergün bin ich dann aber hin- und hergerissen. Wenn ich hier bleibe, habe ich morgen entweder eine Monster- oder eine Minietappe. Monster mag ich nicht und wenn ich eine kurze mache, was mache ich dann in Preda den ganzen Tag?

So statte ich dem Kurhaus einen kurzen Besuch ab und bewundere den Festsaal, ausserdem gehe ich in die Kirche, die eine bemalte Decke hat. Sehr schön!

Dann mache ich mich auf die Socken Richtung Preda. Es ist ein schöner Weg, mehr oder weniger hoch dem Fluss Albula entlang. Auf der anderen Seite befindet sich die Strasse, die man leider meistens hört…

Der Wanderweg, die Via Albula Bernina, ist gleichzeitig auch der Bahnlehrpfad. Es gibt immer wieder grosse Tafeln, auf denen verschiedene Themen bezüglich der Eisenbahn vorgestellt werden: zur Geschichte, dem Bau, aber auch Technisches oder über die Menschen, die beim Bau der Bahn mitgewirkt haben.


Die Bahn ist wirklich sehr interessant mit den vielen Kehr- und Spiraltunnels. Das hat mich schon immer fasziniert, aber jetzt, wo ich den Streckenverlauf sehe und all die Informationen lese, finde ich es richtig spannend. Da sieht man einen Zug, der plötzlich verschwindet und dann ein Stück weiter oben wieder aus dem Berg kommt, das Tal überquert, wieder verschwindet und dann in die andere Richtung wieder erscheint. Wahnsinn!

Natürlich brauche ich länger, weil ich alles lese und immer wieder beobachte, wie und wo der Zug erscheint, dafür ist es kurzweilig und sehr interessant!
In Preda kehre ich im Sonnenboden ein und frage nach einem Zimmer. Es ist sehr gemütlich hier.

20. Sept. 2019 Wiesen – Filisur

Eigentlich wollte ich ja nach Bergün wandern, 5 1/2 Stunden mit 3 steilen Stücken, aber dazu fühle ich mich nicht in der Lage. Leider bestimmen die Übernachtungsmöglichkeiten die Etappenlänge und nach Filisur dauerts nur 2h 20, was ein bisschen lächerlich ist…

Dafür mache ich einen kleinen Umweg um’s Dorf mit einem Abstecher zu einem prächtigen Wasserfall. Auch der Weg ist sehr schön, durch Wald und über eine Wiese. Dann gelange ich zum Bärentritt. Ich habe keine Ahnung, was mich da erwartet.

Es ist ein Aussichtspunkt, von dem aus man in die Landwasserschlucht blickt und gleich darunter sind zwei Wasserfälle übereinander und dazwischen erblickt man einen Tunnel und ein kleines Stück Geleise. Ich erfahre von jemandem, dass bald ein Zug kommen soll. So warte ich und es gelingt mir, die Lok zu fotografieren, als sie grad aus dem Tunnel kommt. Auf der anderen Seite der kurzen Brücke verschwindet sie sogleich im nächsten Tunnel. Es ist ein Nostalgiezug mit Krokodillok und alten Wagen.

Nachher gehe ich oberhalb der Wasserfälle über eine kleine Brücke und auf der anderen Seite Richtung Wiesener Bahnhof. An einem vorspringenden Punkt kann ich zurückblicken auf den Aussichtspunkt und den grossen Wasserfall. Sehr spektakulär!

Nach dem Bahnhof kann man über das Wiesener Viadukt gehen, was ziemlich eindrücklich ist, auch wenn man gewöhnt ist, über die Ossinger Eisenbahnbrücke zu gehen. Auf der anderen Seite gibt es auch wieder einen Aussichtspunkt auf das Viadukt. Die Konstruktion der Brücke mit ihren Bögen gefällt mir.

Der folgende Weg nach Filisur ist gemütlich und führt zuerst durch den Wald und am Schluss über Wiesen und bald bin ich im Dorf. Am oberen Hang sind Einfamilienhäuser neueren Datums und im Dorf unten bin ich überrascht, dass es aus lauter sehr alten, schönen engadiner Häusern besteht.

Im alten Dorfladen wird ein Projekt vorgestellt zum Landwasserviadukt, das ja schon seit einigen Jahren vermarktet wird, seit die Albulastrecke als UNESCO Welterbe anerkannt wird. Nun soll das noch grössere Ausmasse annehmen und tausende von Menschen anziehen, mit verschiedenen Projekten wie mehr Aussichtsplattformen, Nostalgiezugshuttle, Baumwipfelpfad, Biobauernhofwelt Badelandschaft usw. Ich habe mit einer Frau geyprochen, die in Filisur wohnt und da aufgewachsen ist. Das Ganze wird wohl wie alles zwei Seiten haben, Fortschritt, Arbeitsplätze, aber auch viiiele Leute bringen. Sie meinte, sie habe gelernt, dass solche Projekte immer auch Potential bergen, den Menschen im Tal Arbeit zu ermöglichen.

Engadiner Scraffiti

19. Sept. 2019 Arosa – Wiesen

Ich nehme den Zug nach Arosa und starte von da kurz vor halb zehn. Leider ist es neblig und kalt, aber es soll ja besser werden.

Am Anfang sind noch mehr Leute unterwegs, aber die gehen auf der Talsohle talabwärts über die neue Brücke, während ich als einzige Richtung Welschtobel wandere und erst weiter hinten die Brücke quere und Richtung Wasserfall weitergehe. Dann geht’s wieder über eine kleine Brücke. Im Juni war sie noch nicht wieder in Stand gestellt, nachdem sie im Winter unter dem vielen Schnee zusammengebrochen war. Nun existiert sie zum Glück wieder und ich kann den steilen Aufstieg zum Alteinersee in Angriff nehmen. Nun, im steilen Gelände, merke ich, dass ich einen schwereren Rucksack trage als gewöhnlich, mit jedem Schritt muss ich das zusätzliche Gewicht hochhieven, ganz schön anstrengend!

Plötzlich schiessen zwei grosse Vögel aus einem Busch auf, dann noch einer und ein Stück weiter oben begegnet mir ein Jäger, der eine erlegte Gämse auf Schultern und Kopf trägt. Ich nehme an, die wiegt schon zwischen 30 und 40 kg, also eine eindrückliche Last, die er jetzt auf diesem sehr steilen und feuchten Pfad ins Tal tragen muss.

Langsam lichtet sich der Nebel und die Sonne dringt immer mehr durch. An den Bergflanken bleibt er zum Teil noch hängen.

Immer wieder habe ich das Gefühl, da oben komme eine kleine Fläche und da sei ganz bestimmt der See, aber immer wieder werde ich genarrt. Ich kraxle auch an einem Wasserfall vorbei, aber immer noch kein See.

Als ich dann endlich doch da bin ziehen genau Wolken und Nebel wieder herein und verdecken ihn fast. Schade! Ich hätte ihn gerne fotografiert mit einer Spiegelung des Valbellahorns. Das wird leider nichts.

Ich folge dem Wegweiser Richtung Wiesen (noch 3h) und sehe dabei nicht, dass noch auf einem anderen Wiesen stand. Das wäre die Route gewesen, die ich geplant habe. Ich merke es viel später, als ich nach einer Markierung Ausschau halte und keine finde. Erst da konsultiere ich meine Karte und merke mein Versehen. Nun ja, das ist ja nicht schlimm, da dieser Weg auch nach Wiesen führt. Ich fürchte nur, dass es auf der anderen Seite des Passes sehr steil ist.

Als ich ein Schneefeld vom letzten Winter fotografiere, sehe ich weiter oben Steinböcke, als Silhouette gegen den Himmel. Fantastisch! Es sind schon eindrückliche Tiere, auch wenn ich sie nur von sehr weit weg sehe….

Weiter kraxle ich den steilen Hang hoch, immer Ausschau haltend nach den Steinböcken, die hinüber ins Geröllfeld gezogen sind. Leider sehe ich sie nicht mehr, dafür kommt mir ein Biker entgegen. Die verrückten Kerle sind auch überall. Ich hätte Panik, wenn ich hier mit einem Bike runter müsste, aber die kennen nichts!

Der Weg führt mehr nach rechts, weg von der Geröllhalde. Plötzlich höre ich hinter mir Steine kullern und als ich mich umdrehe, sehe ich die Steinböcke wieder, mitten im Geröll. Eine Herde von ca 20 Tieren. Jetzt sehe ich sie klar, aber wenn man nichts von ihnen weiss, fallen sie überhaupt nicht auf zwischen dem Geröll, wirken einfach wie grössere Steinbrocken. Als sie merken, dass ich sie beobachte, bleiben sie stehen. Über eine halbe Stunde lang stehen sie wie angenagelt und rühren sich nicht.

Der Pass ist gut 2500m hoch und es gibt einen Wegweiser nach Wiesen: immer noch 3h!!! Seit dem letzten Wegweiser am See, auf dem auch 3h stand, bin ich mindestens eine Stunde lang steil bergauf gekraxelt und jetzt soll’s immer noch drei Stunden dauern?

Auf der anderen Seite wabert der Nebel, kommt und geht. Manchmal sieht man nur weiss und dann wird die Landschaft wieder sichtbar.

Und es geht wirklich sehr steil runter, aber der “sandige” Weg führt auf einer Wiese im Zickzack runter, sodass es nicht so schlimm ist. Weiter unten, wo es flacher ist, mache ich meine Mittagspause. Ich höre die Munggen pfeifen und ein Vogelschwarm schiesst auf. Lauter kleine Vögelchen, die wild zwitschern. Bald lassen sie sich wieder im Gras nieder.

Der Abstieg zur Alp Wiesen zieht sich hin, ist jedoch wunderschön. Ich muss allerdings aufpassen, dass ich nicht rutsche. Ich sehe ein Murmeli über die Wiese rennen….

Etwas später besteht die Vegetation aus niedrigen Bergföhren, Erika und Alpenrosenbüschen. Ich sollte mal im Juli hier Wandern, sieht sicher wunderschön aus!

Nun habe ich langsam genug. Ich bin ko. Ist ja schon blöd, dass ausgerechnet die erste Etappe die längste, steilste und anstrengendste ist, wenn man sich noch nicht an den schweren Rucksack gewöhnt hat.
Von der Alp Wiesen geht’s nochmals eine Stunde lang auf einem steilen Strässchen abwärts und ich merke langsam mein Knie, auf das ich vor zwei Wochen gestürzt bin. Es ist auch wieder geschwollen…

Nun habe ich mir mein Bett redlich verdient, ich bin wirklich fast am Ende meiner Kräfte. Morgen ist nochmals eine so lange Etappe angesagt, nur etwas weniger steil. Uff – ich weiss nicht, ob ich das nochmals hinkriege!

Art&Craft verkauft meine Karten

Art&Craft ist ein kleines Geschäft an der Metzggasse in Winterthur, das von vier Kunsthandwerkerinnen betrieben wird. Hier verkaufen sie ihre Produkte und geben auch anderen die Möglichkeit ihre Werke zu verkaufen.    Art&Craft

Momentan stehen einige meiner Karten zum Verkauf. Es gibt auch weihnächtliche Sujets.

Kurs Touch for Health II

Am 02./03. Juli 2016 fand der Touch for Health II Kurs statt.

Wir lernten die fünf Elemente der chinesischen Medizin kennen und wie Akupressurpunkte als Korrektur verwendet werden. Besonders spannend ist auch das Verfahren, mit dem durch eine Korrektur alle Ungleichgewichte ausgeglichen werden.

Es waren zwei anregende Kurstage. Die Teilnehmer waren mit Begeisterung dabei und sind schon gespannt auf den dritten Kurs.

Touch for Health Akupressur Figur

 

Heuschnupfenzeit

Für viele Menschen hat schon wieder die Leidenszeit angefangen. Höchste Zeit für eine kinesiologische Behandlung.

Mit Kinesiologie können die Symptome oft zum Verschwinden gebracht oder doch zumindest gelindert werden. Häufig ist schon eine einzige Behandlung eine wahre Wohltat. Probieren Sie es aus!

Zeichnungsabend

Ich zeige, wie meine Bilder von 2014 entstanden sind und jede(r) zeichnet ihr/sein eigenes Bild.

Wann: 13. April von 19.30 – ca 21.30 Uhr

Ort: Winterthur

Kosten: CHF 40.-

Ich bringe Stifte und Papier mit.

Anmelden bis 07.04. über das Kontaktformular.

Ich freue mich!

Kunst-Märkte

Jetzt geht’s Schlag auf Schlag!

Ich bin an folgenden Märkten:

21. November 2015 Koffermarkt Frauenfeld

28. November 2015 Weihnachtsmarkt Rickenbach ZH

5. Dezember 2015 Chällermärt Winterthur

Ich freue mich darauf und hoffe viele Bekannte Gesichter zu sehen?  🙂

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Kinesiologische Weiterbildung

Im September habe ich wieder einen Kurs im IAK in Kirchzarten besucht. Wie immer war es enorm spannend und bereichernd.

In der Kinesiologie geht es eigentlich immer um Stressabbau. Je genauer wir den Stress lokalisieren können, desto wirkungsvoller ist die Behandlung.
Genau hier setzt das “Stress Indicating Point System” an. Mittels Muskeltest und Akupressurpunkten kann festgestellt werden in welchen Strukturen Stress vorhanden ist. Er kann so ganz gezielt reduziert werden und die Veränderung ist sofort fühlbar.
Ich bin begeistert, meine Knieprobleme haben sich spürbar reduziert während des Kurses.

Farbpunktur Therapie

Ende August nahm ich an einem Workshop über Farbpunktur nach Peter Mandel teil.

Es geht darum, dass Licht und Farben eine heilende Wirkung haben.
In der Naturheilkunde geht man immer vom ganzen Menschen aus. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit.
Eine Störung in einem Bereich wirkt sich immer auch in den anderen aus. Die meisten körperlichen Symptome haben ihren Ursprung im seelischen Bereich und so muss immer der ganze Mensch betrachtet werden.
Da Energie schwingt, haben wir mit den Schwingungen der verschiedenen Farben die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. Peter Mandel hat die heilende Wirkung der Farben mit der Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin vereint.