Mein Zug nach Hause fährt ca um halb zwölf. So habe ich noch etwas Zeit einen kleinen Rundgang durch Poschiavo zu machen. Es ist wirklich schön und hat einige herrschaftliche Häuser, gebaut von Leuten, die in der Fremde als Zuckerbäcker reich geworden und dann nach Hause gekommen sind und sich ein tolles Haus gebaut haben.

 

Um halb zwölf nehme ich den Zug. Ich wechsle also die Perspektive. Habe ich die letzten sieben Tage die Züge und die Bahnlinie von aussen betrachtet, schaue ich jetzt hinaus und nehme wahr, was man als Passagier mitbekommt von der Landschaft und den bemerkenswerten Linienführungen und Bauwerken.

Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, mit ca 10 Jahren mit meiner Grossmutter von Pontresina nach Poschiavo gefahren bin. Es war Herbst und die Bäume standen in ihrer leuchtenden, herbstlichen Farbenpracht, während wir im Zug in grossen Serpentinen vom Bernina ins Puschlav hinunterfuhren. Es hat mich damals tief berührt und ich habe es nie vergessen.

Diesmal bin ich noch ein bisschen zu früh, die Bäume fangen erst an, sich zu verfärben. Es ist auch so wunderschön und es macht Spass, die Touristen zu beobachten, wie sie nach jeder Kehre auf die andere Seite gehen, um zu fotografieren.

Wenn man hinausschaut, sieht man auch immer wieder Wanderer, die den Zug fotografieren und winken. Von innen und aussen wird geknipst.

Mir gefällt es, die Strecke entlang zu fahren, auf der ich gewandert bin und alles nochmals Revue passieren zu lassen, mich zu erinnern, wie die Route und das Wetter waren und wie ich mich gefühlt habe….

Mit grosser Dankbarkeit und Zufriedenheit stelle ich wieder einmal fest, in welch unglaublich schönem und vielfältigen Land ich lebe!

Da ich auf dem Hinweg erst bei Filisur auf die Albulalinie gestossen bin, habe ich jetzt noch einen bahntechnischen Höhepunkt vor mir, den ich noch nicht gesehen habe: Das Landwasserviadukt.
Man kann sich fast nicht vorstellen, wie so etwas vor mehr als hundert Jahren gebaut werden konnte, auch wenn ich weiss, wie es gemacht wurde, finde ich es doch staunenswert.

Nun hoffe ich, dass ich rechtzeitig von Tirano aus weiterwandern kann, so dass ich nicht allzu spät in Cupra ankommen werde….

27. Sept. 2019 Mit dem Zug zurück

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