Laut Wetterbericht regnets jetzt drei Tage lang. Deshalb mache ich einen Abstecher nach Capo di Ponte, wo es berühmte Felsenbilder hat.

Ich nehme den Zug von Edolo aus. Die Fahrt dauert eine knappe halbe Stunde dem Fluss Oglio entlang. Wo sich das Tal verengt, wird der Fluss wilder und der Zug fährt durch ein paar Tunnels.

In Capo di Ponte suche ich die Info, finde sie aber nicht und gehe zum Museum, nur um festzustellen, dass es am Samstag erst um 14 Uhr öffnet. (Es ist jetzt 10:30) Eigentlich hätte ich ja wissen müssen, dass ich hier genau planen und mich bestens informieren muss, weil man nie weiss…. Die Öffnungszeiten sind täglich anders!

In einem Kiosk erkundige ich mich und der Herr ist sehr nett und findet, die Info sei zu weit weg zu Fuss 😉 Er gibt mir Hinweise, was ich unternehmen kann und wie ich dahinkomme.

Eine schöne alte Steinkirche thront über dem Fluss. Ich überquere die Brücke und wandere die Strasse hinauf. Es regnet immer mehr und ich ziehe den Regenponcho über, das hätte ich besser von Anfang an gemacht…

In einem kleinen Tal hinter einem Felsrücken komme ich zu einer Ausgrabungsstätte. Da liegen zwei grosse Felsbrocken mit eingeritzten Bildern. Die Zeitspanne, in der diese Felsenbilder angefertig worden sind, erstreckt sich über ca 8000 Jahre. Von hier aus ist es gar nicht weit zu einem archäologischen Park mit vielen Felspartien, die voll sind mit solchen Bildern.

Ich gehe zur Kasse. Der junge Mann meint, es sei nicht gerade das beste Wetter, um sich die Bilder anzuschauen. Da hat er zwar recht, aber wenn das Wetter gut wäre wäre ich wohl nicht hier, sondern auf Wanderschaft. Immerhin habe ich für einen Moment seine Langeweile unterbrochen.

Natürlich bin ich weit und breit die einzige, die da im Regen rumstoffelt, deshalb kann ich mir alles in Ruhe ansehen. Wahrscheinlich ist es ein Nachteil, dass alles nass ist und glänzt, vielleicht würde man es besser sehen in trockenem Zustand, trotzdem kraxle ich etwa zwei Stunden rum.

Es hat viele Menschen- und Tierbilder, va. kriegerische Szenen oder von der Jagd, aber auch vom Pflügen und manchmal auch geometrische Formen, Gitter oder Kreise. Ich habe auch ein paar Fotos gemacht. Obwohl man es nicht so gut sieht, gibt es vielleicht einen kleinen Eindruck.

Am Ende setze ich mich an einen Picknicktisch unter einem Pavillon und verzehre gemütlich meinen mitgebrachten Zmittag. Kaum habe ich zusammengepackt, fängt es wieder heftiger an zu regnen.

Ich gehe noch zur Steinkirche, in die man leider nicht hinein kann.

Schliesslich setze ich mich in eine Bar und trinke einen Tee zum Aufwärmen. Es sind viele Männer hier, ein paar spielen Karten und diskussieren nach jeder Runde heftig. Es ist spannend die Gesichter während des Spiels und beim Disput zu beobachten. Es ist wie wenn Fanatiker jassen ;-))
Einer regt sich furchtbar über seinen Partner auf und brüllt jedesmal. Verstehen kann ich zwar praktisch nichts, weil sie auch diesen seltsamen Dialekt sprechen. Da kommen viele ü drin vor, was eigentlich gar nicht italienisch ist und der Tonfall ist auch fremd.
Die Karten sind auch anders als alle, die ich kenne. Sie sind schmal und hoch und haben seltsame Symbole, nur einen König kann ich erkennen. Die Spielregeln kann ich nicht nachvollziehen, die müsste mir schon jemand erklären.

Nachher gehe ich zum Bahnhof, weil ich nicht mehr ins Museum mag, und muss feststellen, dass ich den Zug um 10 Minuten verpasst habe und der nächste in zwei Stunden fährt. Es müsste meines Wissens auch einen Bus geben. Ich frage in der Bar nach. Der Besitzer kommt mit mir zur Busstation und wir schauen uns den Fahrplan an. Um vier sollte einer kommen, das ist immerhin 40 Minuten früher als der Zug. Als ich jedoch da warte, kommt und kommt kein Bus. Ich studiere nochmals den Fahrplan und stelle fest, dass dieser Bus am Wochenende nicht fährt. Ha ha – nun muss ich doch auf den Zug warten.

Zurück im Hotel fange ich an, eine Unterkunft für morgen zu suchen. Entweder wird die Webseite nicht gefunden, was hier oft vorkommt, oder die Telefonnummer ist nicht mehr gültig oder sie haben zu wegen Ferien oder…. denk dir was aus!
Am Ende finde ich dann doch noch etwas, aber natürlich nicht da, wo ich eigentlich wollte, d.h. ich muss zusehen, wie ich von und zur Route komme. Aber immerhin!

19. Okt. 2019 Abstecher nach Capo di Ponte

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