Walter bringt mich wieder zum heutigen Startpunkt. Ich habe ein bisschen den Bammel, wie die Route wohl sein wird. Auf der Webseite der Hütte habe ich gelesen, dass der Weg, den ich zur Hütte hinaufsteige, ein Wanderweg sei, wenn man jedoch von der anderen Seite komme, sei das ein Wanderweg, der Bergerfahrung voraussetze. Solche Aussagen sind ja immer ein bisschen schwierig zu interpretieren. Da ich ja ziemlich oft in den Bergen wandere, habe ich dann Bergerfahrung? Oder heisst das, dass der Weg schwierig oder gefährlich ist? Keine Ahnung!

Walter, mein Engel, der mich immer kutschiert hat. Grazie, Walter!

 

Laut Plan sollte ich knapp 5h brauchen, bis zur Hütte sehr steil, Aufstieg zum Pass SEEEHR SEEEHR steil. Das kann ja heiter werden, da bin ich jedenfalls langsamer als prognostiziert, denn da merkt man das Gewicht des Rucksacks umso mehr.

Beim Startpunkt versammelt sich eine grosse Gruppe. Einer fragt mich, ob ich auch dazugehöre….

Ich hole meine geplante Route auf den Bildschirm und starte die Navigation, nicht weil ich sie brauche, sondern weil ich so grad die Route aufzeichne. Da fällt die Route raus, auch die Wege und Höhenkurven. Also nochmals von vorn, fällt alles raus. Ich lasse es mal so, denn bis zur Hütte kann man sowieso nichts falsch machen. Interessanterweise navigiert mich die Stimme, obwohl sonst alles weg ist. Immerhin – aber ich muss mich blind darauf verlassen, während ich normalerweise bei Verzweigungen mit mehreren Wegen kontrolliere, ob ich wirklich den richtigen nehme. Das ist heute allerdings kein Thema. Es gibt nicht viele Verzweigungen und ich habe die Route einigermassen im Kopf.

Der Aufstieg zur Hütte ist tatsächlich ziemlich steil und steinig und man muss manchmal hohe Tritte überwinden, was ein bisschen in die Beine geht, ansonsten aber kein Problem ist. Es ist kalt und es bläst ein ekliger Wind, besonders oben. Die Aussicht ist grandios, hinten im Tal sieht man die Schneeberge.

Bei der Hütte kann ich mich in den Windschatten verziehen, da geht es.
Ich kontrolliere meine Karte und die heutige Route ist definitiv nicht mehr zu holen, was ja nicht so schlimm wäre, aber die Wege und Höhenkurven sind auch nicht mehr vorhanden.
Das ist ja nicht so schlimm, denke ich, ich hole einfach die gestrige Route, dann habe ich die Karte für heute auch drauf. Haste nur gedacht. Ich probiere alle Karten, die ich zum Offlinegebrauch heruntergeladen habe: Alles weg!

Nun schalte ich halt die Navigation wieder ein, das funtioniert. Also ist die Route gespeichert, ich sehe nur nichts.
Eine Weile geht’s dem Hang entlang, dann steil bergauf im Zickzack, manchmal auf Wiese, manchmal ist es felsig und man muss ein bisschen kraxeln. Nicht immer kann man gut sehen, wo der Weg ist und ich komme prompt vom Weg ab.

Gestern hat mich die Navigationstante genervt, weil sie mir ständig erzählt hat, wie weit ich mich von der Route entfernt habe, heute, wo ich es brauchen könnte, sagt sie lange nichts. Irgendwann kommt dann der Kommentar, ich hätte mich von der Route entfernt und es gebe kein Internet zum Umplanen, ich solle einen Blick auf die Karte werfen. Ha ha, das kann ich schon, aber es ist ja nichts drauf. Ich weiss aber, dass ich zu weit nach rechts geraten bin. Nach mühsamem Rumkraxeln komme ich nach einer Weile wieder auf den geplanten Weg. Es wird immer steiler und schwieriger, ich muss häufig die Hände zu Hilfe nehmen. Ausserdem puste ich wie eine Dampflok.

Es wird immer felsiger und dann geröllmässig, viele lose Steine. Zum Glück hat es auch immer wieder grosse Felsstücke, an denen ich mich halten kann. Je länger je mehr krieche ich auf allen Vieren da hoch und bin ziemlich ausser Atem. Die Stellen, die am wenigsten steil sind, sind etwa so wie zum Erzhornsattel rauf, der Rest ist aber steiler und das Gestein ist total lose. Einmal mehr bin ich nur froh, dass ich hier hinauf muss und nicht hinunter, da hätte ich wohl Panik. Langsam verlassen mich die Kräfte. Und ich komme und komme nicht vorwärts. Ich brauche fast eine Stunde für 500m.

Das ganze ist schon ein bisschen grenzwertig….

Endlich bin ich oben. Juhui!! Ziemlich ko! Hier oben gibt es noch Ruinen aus dem ersten Weltkrieg. Nicht auszudenken, dass die hier oben hocken mussten, wahrscheinlich ja auch im Winter. Es ist immerhin 2600m hoch. Das muss brutal gewesen sein!

Hier oben bin ich erstmals an der Sonne und suche mir ein geschütztes Plätzchen für mein Mittagessen. Ich bin nämlich am Verhungern!

Auf der anderen Seite des Passes ist es zum Glück weniger steil und der Weg verläuft zum Teil auch durch Wiesen. Es gibt aber schon auch Stellen, wo man mal kraxeln muss oder wo es Geröll hat oder steil ist. Mit dem, was ich schon in den Beinen habe, ist es auch nicht so einfach. Verglichen mit dem Aufstieg auf der anderen Seite, ist der Weg hier jedoch lieblich…. 😉

Plötzlich höre ich Steine kullern und sehe gerade noch ein paar Gämsen den Hang hochrennen.

Von hier hat man einen wunderbaren Blick ins Daone Tal mit seinen Seen. Die Lärchen sind auch zum grössten Teil schön gelb. Es ist eine Augenweide!!

Jetzt bin ich in einem B&B, das der Besitzer, Federico, selber gebaut hat, mit einem riesigen Chemineefeuer. Sehr gemütlich.

23. Okt. 2019 Malga Lincino – Diga Malga Bissina

Ein Kommentar zu „23. Okt. 2019 Malga Lincino – Diga Malga Bissina

  • 25. Oktober 2019 um 14:36
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    Sei pazza da legare!!! Comunque sono felice che sei arrivata, buon proseguimento, cerca di alleggerire lo Zaino e di non rischiare troppo
    CIAO

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