16. Okt. 2019 Mit dem Zug nach Campascio und zu Fuss nach Tirano

Heute geht’s endlich Richtung Süden. Mit dem Zug wieder nach Campascio, wo ich mit der Wanderung aufgehört habe, und von da nach Tirano.

    Heute früh in St. Peter

Zur Zugfahrt brauche ich nicht viel zu sagen, gleiche Szenerie, aber ein Monat später. Die Farben haben sich verändert. Alles leuchtet golden und das Wetter ist perfekt: blauer Himmel, aber doch noch ein paar Nebelschwaden und Wolken um die Berge herum.
Der blaue Himmel, frisch verschneite Gipfel und goldene Lärchen, eine traumhafte Kombination. Es ist überwältigend!

Zum Glück habe ich die Alpenüberquerung schon vor ein paar Wochen gemacht. Nun liegt in den höheren Lagen überall Schnee. Schon in Preda fängts an, über den Pass wär’s jetzt schwierig.

    2. Bild links: Über diesen Pass bin ich vor einem knappen Monat gewandert

Was ich vielleicht noch nicht erwähnt habe: Der Stausee auf dem Bernina Pass, der Lago Bianco, ist speziell, da er an beiden Enden eine Staumauer hat.

    Bernina, Lago Bianco

    Lago di Poschiavo, Kreisviadukt, Brusio

Von Campascio aus wandere ich gemütlich gen Tirano. Ich hatte es mir steiler vorgestellt. Das hätte ich letztes Mal auch noch machen können. Aber nun ist es ein gutes Einlaufen für den morgigen Start.

Tirano ist nichts Spezielles. Ich besuche die Wallfahrtskirche Madonna di Tirano, von aussen ist sie schön, innen erschlägt es einen fast. Alles ist schwer und überladen, wie so oft.

In der Altstadt gibt es zahlreiche schöne Palazzi, die aber schon wesentlich bessere Zeiten gesehen haben. Einige sind dem Zerfall nahe, was schade ist.

27. Sept. 2019 Mit demZug zurück

Mein Zug nach Hause fährt ca um halb zwölf. So habe ich noch etwas Zeit einen kleinen Rundgang durch Poschiavo zu machen. Es ist wirklich schön und hat einige herrschaftliche Häuser, gebaut von Leuten, die in der Fremde als Zuckerbäcker reich geworden und dann nach Hause gekommen sind und sich ein tolles Haus gebaut haben.

 

Um halb zwölf nehme ich den Zug. Ich wechsle also die Perspektive. Habe ich die letzten sieben Tage die Züge und die Bahnlinie von aussen betrachtet, schaue ich jetzt hinaus und nehme wahr, was man als Passagier mitbekommt von der Landschaft und den bemerkenswerten Linienführungen und Bauwerken.

Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, mit ca 10 Jahren mit meiner Grossmutter von Pontresina nach Poschiavo gefahren bin. Es war Herbst und die Bäume standen in ihrer leuchtenden, herbstlichen Farbenpracht, während wir im Zug in grossen Serpentinen vom Bernina ins Puschlav hinunterfuhren. Es hat mich damals tief berührt und ich habe es nie vergessen.

Diesmal bin ich noch ein bisschen zu früh, die Bäume fangen erst an, sich zu verfärben. Es ist auch so wunderschön und es macht Spass, die Touristen zu beobachten, wie sie nach jeder Kehre auf die andere Seite gehen, um zu fotografieren.

Wenn man hinausschaut, sieht man auch immer wieder Wanderer, die den Zug fotografieren und winken. Von innen und aussen wird geknipst.

Mir gefällt es, die Strecke entlang zu fahren, auf der ich gewandert bin und alles nochmals Revue passieren zu lassen, mich zu erinnern, wie die Route und das Wetter waren und wie ich mich gefühlt habe….

Mit grosser Dankbarkeit und Zufriedenheit stelle ich wieder einmal fest, in welch unglaublich schönem und vielfältigen Land ich lebe!

Da ich auf dem Hinweg erst bei Filisur auf die Albulalinie gestossen bin, habe ich jetzt noch einen bahntechnischen Höhepunkt vor mir, den ich noch nicht gesehen habe: Das Landwasserviadukt.
Man kann sich fast nicht vorstellen, wie so etwas vor mehr als hundert Jahren gebaut werden konnte, auch wenn ich weiss, wie es gemacht wurde, finde ich es doch staunenswert.

Nun hoffe ich, dass ich rechtzeitig von Tirano aus weiterwandern kann, so dass ich nicht allzu spät in Cupra ankommen werde….

26. Sept. 2019 Poschiavo – Campascio

Da ich mich ein bisschen lädiert fühle und sowieso noch einmal hier übernachte, packe ich nur mein Minirucksäcklein mit dem Allernötigsten: Proviant und Regenschutz und mache mich auf den Weg Richtung Tirano.
Ich weiss jetzt schon, dass ich wahrscheinlich nicht ganz bis dorthin wandern werde, sondern nur bis Brusio.
Heute gehe ich sozusagen den Weg, des geringsten Widerstandes. Ich mache nur einen Spaziergang im Tal durch die Dörfer, anstatt den schönen Wanderweg in der Höhe über S. Romerio zu nehmen, da ich meine Beine schonen möchte. Ich fahre zwar morgen nach Hause, möchte dann aber später die Wanderung fortsetzen, muss also vorsichtig sein.

Beim See mache ich eine kleine Rast und geniesse die Sonne und den Anblick des Sees mit den Spiegelungen der gegenüberliegenden Hängen.

Nachher wandere ich auf der linken Seite des Sees, während Zug und Autos auf der anderen Seite fahren. Die offizielle Via Albula Bernina verläuft am anderen Ufer, ich habe jedoch keine Lust so nahe an der Strasse zu wandern.

Der Weg, den ich gewählt habe, verläuft immer ganz am Seeufer an einer steilen, felsigen Bergflanke entlang. Zweimal muss ich sogar durch einen Tunnel, wo es merklich kühler ist.
Gegen Ende des Sees finde ich ein schönes Plätzchen für meine Mittagsrast.

Nachher wird das Tal viel enger, sodass ich leider wieder den ganzen Verkehr höre. Erst bei Brusio wird es wieder etwas weiter. Weit genug, dass die Spirale des Bahntrassees nicht in den Berg verlegt werden musste, sodass man die Pirouette, die der Zug hinlegt, staunend beobachen kann. Eigentlich simpel – und doch faszinierend!
Ich gehe zum Kreisviadukt und mache ein paar Fotos.

Ich schätze, dass es etwa gleich weit ist, wieder zum Bahnhof Brusio zurück zu laufen oder abwärts zur nächsten Haltestelle, Campascio. Dort kommt zum Glück bald ein Zug. Das Timing stimmt hervorragend und ich tuckere wieder zurück nach Poschiavo.

25. Sept. 2019 Bernina – Poschiavo

Mit dem Zug fahre ich zum Bernina Hospiz. Es ist wärmer als ich erwartet habe und die Stimmung am See ist wunderschön. Die gegenüberliegenden Berge spiegeln sich im Wasser.

Ich wandere gemütlich zur Alp Grüm von wo man einen fantastischen Blick ins Val Poschiavo hat. Weit oben sieht man den Palügletscher und unten den leuchtend mintgrünen Palüsee.

Ich wähle den Pfad unterhalb des Sees, der an einem tosenden Wasserfall vorbeiführt und dann über die “Terasse” von Cavaglio führt. Ein paar der Lärchen sind goldgelb während die meisten noch ganz grün sind und bestenfalls einzelne gelbe Zweiglein haben.

Hier mache ich meine Mittagsrast und geniesse die Sonne. Allerdings ziehen immer wieder Wolken vorbei, dann ist es deutlich kühler. Plötzlich macht es zu und es wird richtig kalt. Ich packe schnell zusammen und gehe zum Gletschergarten. Schon fängt es an, zu tröpfeln. Zum Glück wird kein ernsthafter Regen daraus und es wird wieder warm.

Ich spaziere durch den Gletschergarten und bestaune die Gletschermühlen oder -töpfe. Die entstehen dort, wo der Gletscher nach einer flachen Passage über steiles Gelände fliesst und es dadurch grosse Risse gibt. Das Schmelzwasser kann so unter den Gletscher gelangen und gerät unter grossen Druck. Es fliesst sehr schnell und führt Sand und Kies mit sich. Bei Unebenheiten des Untergrundes gibt es Wirbel und das Wasser mit Quarzsand schleift Löcher hinein. Später füllen sich diese Löcher mit Steinen und Erde.

Freiwillige haben diese Löcher ohne Maschinen, nur mit Schaufeln, ausgegraben und den Gletschergarten angelegt. Es gibt auch einen kleinen Pflanzenteil und eine Aussichtsplattform von der man ins Tal hinunter sieht bis zum Poschiavosee. Durch ein Fernrohr kann man fast in Poschiavos Gassen schauen….

Unterhalb der Eisenbahnbrücke gibt es noch eine Plattform, von der aus man den wilden Fluss bestaunen kann. Auch hier gibt es Töpfe, das Wasser sprudelt und wirbelt und man kann sich gut vorstellen, dass es die Felsen bearbeitet und formt.

Nun geht der Weg durch den Wald hinunter. Immer wieder hört man einen Zug mal oberhalb, mal unterhalb, mal rechts oder links. Er fährt hier in mehreren grossen Serpentinen hinauf oder hinunter.

Immer wieder regnet es leicht, aber stellenweise scheint auch die Sonne. Poschiavo ist meistens beleuchtet. Ich blicke zurück und die Berge sind in dunkle Wolken gehüllt. Bald erscheint ein Regenbogen…

Schliesslich erreiche ich Poschiavo und zur Belohnung gibt’s ein leckeres Eis.

24. Sept. 2019 Pontresina – Bernina Hospiz

Beim ersten Blick aus dem Fenster sehe ich einen von der strahlenden Morgensonne beleuchteten Berggipfel und blauen Himmel! Beim Zmorge sehe ich nur noch weisse Sosse, der Blick reicht kaum zum nächsten Haus. Zum Glück wird es aber bald wieder besser.

Bis Morteratsch ist es eine gemütliche Wanderung. Die Lärchen fangen an, gelb zu werden, aber nicht wie normalerweise von der Spitze her, sondern es gibt einzelne Zweiglein die schon gelb leuchten, der Rest ist immer noch frisch grün.

Von der Bahnstation aus sieht man nichts vom Gletscher. Es ist schon erschreckend, wie sehr er geschrumpft ist. Ich bin vor Jahren mal zum Gletscher gewandert. Das ist ein rechtes Stück, und dünn ist er auch geworden. Das sollte uns wirklich zu denken geben….

Nun kommt das schönste Stück der Strecke. Das Wasser des Ova da Bernina hüpft und springt und rauscht laut über Stock und Stein. Es ist gewaltig und wunderschön. Ich könnte mich hinsetzen und stundenlang zusehen…

Die Strecke von Bernina Suot über Diavolezza, Lagalp bis Hospiz zieht sich und es bläst ein richtig kalter Wind, aber die Sicht auf die verschneiten Berge ist schon unglaublich schön! Zum Essen muss ich mir allerdings einen geschützten Platz suchen und bin auch so ziemlich durchgefroren bis ich fertig bin. Mit Siesta wird nichts.

Oben beim Lago Bianco gehe ich rechts rum und muss so gut 3/4 des Sees umrunden. Das Panorama ist eindrücklich und die schmucken roten Züge sehen winzig aus vor dieser Kulisse!

Dann nehme ich den Zug zurück bis Morteratsch. Ich habe mit Giacobina abgemacht, in der Käserei ein Käseplättli zu essen. Beim Bahnhof empfängt sie mich. Es ist viel zu kalt, um draussen zu sitzen und wir fahren mit dem Auto wieder rauf zum Hospiz und gehen in die Cambrenahütte zu einem frühen Znacht.

Nachher übernachte ich nochmals bei Giacobina und werde morgen wieder mit dem Zug hinauffahren, um dort weiterzumachen, wo ich heute aufgehört habe.

23. Sept. 2019 Spinas – Pontresina

Ich wusste ja, dass es heute regnen würde, es ist aber noch schlimmer: es regnet aus Kübeln und ist grau verhangen. Eigentlich wollte ich bis Morteratsch, habe aber gemerkt, dass ich noch ein bisschen einkaufen muss. Mein erster Gedanke war, von Morteratsch mit dem Zug zurück nach Pontresina zu fahren, dort zu übernachten, einzukaufen und am Morgen mit dem Zug wieder nach Morteratsch zu fahren, angesichts des Wetters jedoch, beschliesse ich, nur bis Pontresina zu wandern. Ausserdem ist Giacobina in Pontresina, da kann ich sie besuchen und sie lädt mich ein, bei ihr zu schlafen.

Laut Wetterbericht regnet’s den ganzen Vormittag. Um 12 Uhr fallen Schneefetzen vom Himmel, doch dann wird es besser. Es regnet zwar immer noch, aber wesentlich weniger. Ich montiere Regenhose Halstuch, Jacke und zum Schluss noch den Poncho über alles, auch den Rucksack. Der Poncho ist eine wirklich gute Sache. Er schützt nicht nur mich, sondern auch den Rucksack und meine Hände sind auch versorgt und vor dem Wind geschützt, das macht viel aus, ausserdem kann ich darunter hantieren, ohne dass alles nass wird und meine Chlüppli abfrieren.

So starte ich frohgemut. Am Anfang ist es ein Märchenweg. Es gibt immer wieder  Sitzgelenheiten, die im Kreis arrangiert sind und ein Märchenbuch, ein Ringbuch aus Metall.

Der Weg ist schön und einfach, wird sogar zu einem Strässchen. Ich wandere immer auf der 33 Via Albula Bernina und komme so nach Bever. Nachher sehe ich, dass meine App eine Abkürzung vorgeschlagen hat, der Abstecher hat sich jedoch gelohnt, es gibt schöne alte Häuser und Plätze in Bever.

Jetzt, wo sich der Nebel lichtet sehe ich, dass die Berge verschneit sind. Wie gut, dass ich ein bisschen Gas gegeben hatte und von Filisur direkt nach Preda gewandert war, denn heute hätte ich nicht über den Pass kraxeln wollen…..

Nun geht’s Richtung Samedan am Inn entlang, den man hier aber nicht so oft sieht, dafür hört man die Autostrasse umso besser. Nach Samedan kann man dem alten Flaz entlang wandern, der renaturiert wurde und wunderschön ist. Nun hat es auch aufgehört zu regnen und ich kriege warm unter meiner Montur.

Irgendwo am Flaz finde ich trockene Steine und mache Rast, bevor ich nach Pontresina laufe, wo ich einkaufe und bei Giacobina einkehre. Schön, sie wieder zu sehen!

22. Sept. 2019 Preda – Spinas

Heute steht mir wieder eine “gäche” Tour bevor, 5h, das geht noch, aber es geht von 1760m wieder bis auf fast 2500m zur Fuorcla Crap Alv hoch mit einigen steilen Stücken. Ich habe Respekt, denn gestern war ich ziemlich müde nach der langen Tour.
Leider hat das Wetter umgeschlagen, es ist heute nicht mehr so schön und es weht ein frischer Wind vom Pass herunter.

Zuerst steige ich zum Lai da Palpuogna hinauf, das ist ein wunderschöner See, an dessen Ufer man bis zum anderen Ende wandert. Dann gehts wieder steil hinauf zur Alp Crap (Alp Weissenstein) und weiter am Hang durch Geröllfelder. Unten im Talkessel liegen ein paar kleine Seen. Bald überquere ich die Strasse und wandere Richtung Pass. Die Berghänge leuchten in gelb-orange-rot, dazwischen die grünen Bergföhren. Es sieht fantastisch aus. So eine Farbenpracht in dieser sonst so kargen Landschaft. Plötzlich liegt ein Juwel vor mir: ein glänzend blau-grüner See inmitten der in warmen  Farben leuchtenden Vegetation. Ein toller Kontrast. Leider bläst ein eklig kalter Wind  hier. Es sind einige Leute hier, die von der Strasse hier heraufgekommen sind, um am See zu picknicken, aber alle sehen ziemlich verfroren aus.

Weiter geht’s steil hinauf, langsam aber sicher merke ich meine Beine. Ich brauche eine Pause. Kurz vor der Passhöhe finde ich ein windgeschützte Stelle und esse meinen Zmittag. Für meine Siesta ist es mir aber doch zu kalt und ich gehe bald weiter.

Auf der anderen Seite der Fuorcla Crap Alv hat man eine tolle Sicht ins Val Bever. Ein wunderschönes Tal mit lichtem Wald, Wiesen und einem rauschenden Fluss. Der Abstieg ist anstrengend. Ich muss mich richtig konzentrieren, um nicht zu rutschen und manchmal gibt es hohe Tritte.

Unten am Fluss geniesse ich den Anblick, suche eine schöne Wiese am Wasser und hole meine Siesta nach.
Dann wandere ich im Tal runter nach Spinas, das beim Südportal des Albulatunnels liegt.

21. Sept. 2019 Filisur – Preda

Eigentlich hatte ich heute nur vor, bis Bergün zu wandern, doch die Receptionistin fragt, ob ich bis Preda laufe, und da denke ich plötzlich, dass das eigentlich gut möglich wäre. So wäre ich auch wieder voll im Fahrplan 😉

Ab jetzt werde ich auf der Albula Bernina Route wandern, das heisst immer mehr oder weniger der UNESCO Welterbe Bahnlinie Albula Bernina entlang bis Tirano.
Die einzige Strecke, an der ich nicht der Bahnlinie folgen kann, ist, wenn sie durch den Albulatunnel führt und ich über den Berg muss.

 

Ich beschliesse, vorerst bis Bergün zu wandern und dann zu entscheiden. In Bergün bin ich dann aber hin- und hergerissen. Wenn ich hier bleibe, habe ich morgen entweder eine Monster- oder eine Minietappe. Monster mag ich nicht und wenn ich eine kurze mache, was mache ich dann in Preda den ganzen Tag?

So statte ich dem Kurhaus einen kurzen Besuch ab und bewundere den Festsaal, ausserdem gehe ich in die Kirche, die eine bemalte Decke hat. Sehr schön!

Dann mache ich mich auf die Socken Richtung Preda. Es ist ein schöner Weg, mehr oder weniger hoch dem Fluss Albula entlang. Auf der anderen Seite befindet sich die Strasse, die man leider meistens hört…

Der Wanderweg, die Via Albula Bernina, ist gleichzeitig auch der Bahnlehrpfad. Es gibt immer wieder grosse Tafeln, auf denen verschiedene Themen bezüglich der Eisenbahn vorgestellt werden: zur Geschichte, dem Bau, aber auch Technisches oder über die Menschen, die beim Bau der Bahn mitgewirkt haben.


Die Bahn ist wirklich sehr interessant mit den vielen Kehr- und Spiraltunnels. Das hat mich schon immer fasziniert, aber jetzt, wo ich den Streckenverlauf sehe und all die Informationen lese, finde ich es richtig spannend. Da sieht man einen Zug, der plötzlich verschwindet und dann ein Stück weiter oben wieder aus dem Berg kommt, das Tal überquert, wieder verschwindet und dann in die andere Richtung wieder erscheint. Wahnsinn!

Natürlich brauche ich länger, weil ich alles lese und immer wieder beobachte, wie und wo der Zug erscheint, dafür ist es kurzweilig und sehr interessant!
In Preda kehre ich im Sonnenboden ein und frage nach einem Zimmer. Es ist sehr gemütlich hier.

20. Sept. 2019 Wiesen – Filisur

Eigentlich wollte ich ja nach Bergün wandern, 5 1/2 Stunden mit 3 steilen Stücken, aber dazu fühle ich mich nicht in der Lage. Leider bestimmen die Übernachtungsmöglichkeiten die Etappenlänge und nach Filisur dauerts nur 2h 20, was ein bisschen lächerlich ist…

Dafür mache ich einen kleinen Umweg um’s Dorf mit einem Abstecher zu einem prächtigen Wasserfall. Auch der Weg ist sehr schön, durch Wald und über eine Wiese. Dann gelange ich zum Bärentritt. Ich habe keine Ahnung, was mich da erwartet.

Es ist ein Aussichtspunkt, von dem aus man in die Landwasserschlucht blickt und gleich darunter sind zwei Wasserfälle übereinander und dazwischen erblickt man einen Tunnel und ein kleines Stück Geleise. Ich erfahre von jemandem, dass bald ein Zug kommen soll. So warte ich und es gelingt mir, die Lok zu fotografieren, als sie grad aus dem Tunnel kommt. Auf der anderen Seite der kurzen Brücke verschwindet sie sogleich im nächsten Tunnel. Es ist ein Nostalgiezug mit Krokodillok und alten Wagen.

Nachher gehe ich oberhalb der Wasserfälle über eine kleine Brücke und auf der anderen Seite Richtung Wiesener Bahnhof. An einem vorspringenden Punkt kann ich zurückblicken auf den Aussichtspunkt und den grossen Wasserfall. Sehr spektakulär!

Nach dem Bahnhof kann man über das Wiesener Viadukt gehen, was ziemlich eindrücklich ist, auch wenn man gewöhnt ist, über die Ossinger Eisenbahnbrücke zu gehen. Auf der anderen Seite gibt es auch wieder einen Aussichtspunkt auf das Viadukt. Die Konstruktion der Brücke mit ihren Bögen gefällt mir.

Der folgende Weg nach Filisur ist gemütlich und führt zuerst durch den Wald und am Schluss über Wiesen und bald bin ich im Dorf. Am oberen Hang sind Einfamilienhäuser neueren Datums und im Dorf unten bin ich überrascht, dass es aus lauter sehr alten, schönen engadiner Häusern besteht.

Im alten Dorfladen wird ein Projekt vorgestellt zum Landwasserviadukt, das ja schon seit einigen Jahren vermarktet wird, seit die Albulastrecke als UNESCO Welterbe anerkannt wird. Nun soll das noch grössere Ausmasse annehmen und tausende von Menschen anziehen, mit verschiedenen Projekten wie mehr Aussichtsplattformen, Nostalgiezugshuttle, Baumwipfelpfad, Biobauernhofwelt Badelandschaft usw. Ich habe mit einer Frau geyprochen, die in Filisur wohnt und da aufgewachsen ist. Das Ganze wird wohl wie alles zwei Seiten haben, Fortschritt, Arbeitsplätze, aber auch viiiele Leute bringen. Sie meinte, sie habe gelernt, dass solche Projekte immer auch Potential bergen, den Menschen im Tal Arbeit zu ermöglichen.

Engadiner Scraffiti

19. Sept. 2019 Arosa – Wiesen

Ich nehme den Zug nach Arosa und starte von da kurz vor halb zehn. Leider ist es neblig und kalt, aber es soll ja besser werden.

Am Anfang sind noch mehr Leute unterwegs, aber die gehen auf der Talsohle talabwärts über die neue Brücke, während ich als einzige Richtung Welschtobel wandere und erst weiter hinten die Brücke quere und Richtung Wasserfall weitergehe. Dann geht’s wieder über eine kleine Brücke. Im Juni war sie noch nicht wieder in Stand gestellt, nachdem sie im Winter unter dem vielen Schnee zusammengebrochen war. Nun existiert sie zum Glück wieder und ich kann den steilen Aufstieg zum Alteinersee in Angriff nehmen. Nun, im steilen Gelände, merke ich, dass ich einen schwereren Rucksack trage als gewöhnlich, mit jedem Schritt muss ich das zusätzliche Gewicht hochhieven, ganz schön anstrengend!

Plötzlich schiessen zwei grosse Vögel aus einem Busch auf, dann noch einer und ein Stück weiter oben begegnet mir ein Jäger, der eine erlegte Gämse auf Schultern und Kopf trägt. Ich nehme an, die wiegt schon zwischen 30 und 40 kg, also eine eindrückliche Last, die er jetzt auf diesem sehr steilen und feuchten Pfad ins Tal tragen muss.

Langsam lichtet sich der Nebel und die Sonne dringt immer mehr durch. An den Bergflanken bleibt er zum Teil noch hängen.

Immer wieder habe ich das Gefühl, da oben komme eine kleine Fläche und da sei ganz bestimmt der See, aber immer wieder werde ich genarrt. Ich kraxle auch an einem Wasserfall vorbei, aber immer noch kein See.

Als ich dann endlich doch da bin ziehen genau Wolken und Nebel wieder herein und verdecken ihn fast. Schade! Ich hätte ihn gerne fotografiert mit einer Spiegelung des Valbellahorns. Das wird leider nichts.

Ich folge dem Wegweiser Richtung Wiesen (noch 3h) und sehe dabei nicht, dass noch auf einem anderen Wiesen stand. Das wäre die Route gewesen, die ich geplant habe. Ich merke es viel später, als ich nach einer Markierung Ausschau halte und keine finde. Erst da konsultiere ich meine Karte und merke mein Versehen. Nun ja, das ist ja nicht schlimm, da dieser Weg auch nach Wiesen führt. Ich fürchte nur, dass es auf der anderen Seite des Passes sehr steil ist.

Als ich ein Schneefeld vom letzten Winter fotografiere, sehe ich weiter oben Steinböcke, als Silhouette gegen den Himmel. Fantastisch! Es sind schon eindrückliche Tiere, auch wenn ich sie nur von sehr weit weg sehe….

Weiter kraxle ich den steilen Hang hoch, immer Ausschau haltend nach den Steinböcken, die hinüber ins Geröllfeld gezogen sind. Leider sehe ich sie nicht mehr, dafür kommt mir ein Biker entgegen. Die verrückten Kerle sind auch überall. Ich hätte Panik, wenn ich hier mit einem Bike runter müsste, aber die kennen nichts!

Der Weg führt mehr nach rechts, weg von der Geröllhalde. Plötzlich höre ich hinter mir Steine kullern und als ich mich umdrehe, sehe ich die Steinböcke wieder, mitten im Geröll. Eine Herde von ca 20 Tieren. Jetzt sehe ich sie klar, aber wenn man nichts von ihnen weiss, fallen sie überhaupt nicht auf zwischen dem Geröll, wirken einfach wie grössere Steinbrocken. Als sie merken, dass ich sie beobachte, bleiben sie stehen. Über eine halbe Stunde lang stehen sie wie angenagelt und rühren sich nicht.

Der Pass ist gut 2500m hoch und es gibt einen Wegweiser nach Wiesen: immer noch 3h!!! Seit dem letzten Wegweiser am See, auf dem auch 3h stand, bin ich mindestens eine Stunde lang steil bergauf gekraxelt und jetzt soll’s immer noch drei Stunden dauern?

Auf der anderen Seite wabert der Nebel, kommt und geht. Manchmal sieht man nur weiss und dann wird die Landschaft wieder sichtbar.

Und es geht wirklich sehr steil runter, aber der “sandige” Weg führt auf einer Wiese im Zickzack runter, sodass es nicht so schlimm ist. Weiter unten, wo es flacher ist, mache ich meine Mittagspause. Ich höre die Munggen pfeifen und ein Vogelschwarm schiesst auf. Lauter kleine Vögelchen, die wild zwitschern. Bald lassen sie sich wieder im Gras nieder.

Der Abstieg zur Alp Wiesen zieht sich hin, ist jedoch wunderschön. Ich muss allerdings aufpassen, dass ich nicht rutsche. Ich sehe ein Murmeli über die Wiese rennen….

Etwas später besteht die Vegetation aus niedrigen Bergföhren, Erika und Alpenrosenbüschen. Ich sollte mal im Juli hier Wandern, sieht sicher wunderschön aus!

Nun habe ich langsam genug. Ich bin ko. Ist ja schon blöd, dass ausgerechnet die erste Etappe die längste, steilste und anstrengendste ist, wenn man sich noch nicht an den schweren Rucksack gewöhnt hat.
Von der Alp Wiesen geht’s nochmals eine Stunde lang auf einem steilen Strässchen abwärts und ich merke langsam mein Knie, auf das ich vor zwei Wochen gestürzt bin. Es ist auch wieder geschwollen…

Nun habe ich mir mein Bett redlich verdient, ich bin wirklich fast am Ende meiner Kräfte. Morgen ist nochmals eine so lange Etappe angesagt, nur etwas weniger steil. Uff – ich weiss nicht, ob ich das nochmals hinkriege!